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Verletzungspech.

Kleiner Rat von mir: Fahrt nicht während der WM-Vorrunde in den Urlaub. Aber dazu später mehr.

Denn mir tut der Knöchel weh.

Da sprinte ich im Urlaub dem heulenden Fräulein entgegen, trete (bergabwärts) in ein Karnickelloch und knicke um.

Das ist jetzt zwei Wochen her und tut immer noch weh.

„Ganz normal“, sagt mein Bruder, der Fußball- und Verletzungsfachmann. „Bänderdehnung. Dauert Wochen. Wenn nicht Monate.“

Ich bin irgendwie beruhigt, glaube aber, bei „Monate“ nicht richtig hingehört zu haben.

„Oder“, setzt mein Bruder an. „Es ist ein Haarriss. Dann vielleicht doch lieber zum Arzt.“

„Und was kann der da machen?“

„Na ja, auch nicht viel.“

Soso. Ich lenke das Gespräch auf die eher zarte Kondition des V.

„Der V. kann ja an keinen Ball mehr treten. Tut ihm sofort der Fuß weh.“

„Genau“, sagt der V. „Kannst du dir nicht vorstellen! Ein Tritt, unglaublicher Schmerz.“

„Hmmmm…“, überlegt der Fachmann. „Kann auch ein Haarriss sein…“

Schmerzverzerrtes Gesicht beim mir angetrauten Hypochonder.

„Oder“, setzt der Fachmann wieder an, „Du hattest mal einen Mittelfußbruch.“

In V.s schmerzverzerrtes Gesicht mischt sich leise Stolz, ich sehe es ganz genau. Mittelfußbrüche haben echte Fußballer, und was echte Fußballer haben, das will er auch.

„So ein Quatsch“, sage ich, „erstens hätte er das ja wohl gemerkt und zweites, wo hätte er sich den denn holen sollen?“ (Als er im Urlaub einmal – EINMAL! – an einen Ball getreten hat?)

„Doch doch doch“, sagt mein Bruder und verweist auf den Dings aus seiner Kreisliga-Mannschaft.

„Dem ist das gleich zu Beginn des Spiels passiert und der hat bis zum Ende durchgespielt. Und sich nach dem Duschen gewundert, dass er den Fuß nicht mehr in den Schuh bekommen hat. Nächste Station Krankenhaus.“

Wir sind beeindruckt.

(Wir waren auch mal im Krankenhaus, weil ich dem V. wegen Schmerzen im Bein anhand eines Gesundheitsbuches eine Venenentzündung diagnostiziert habe. War aber nur ein kleiner Muskelfaserriss. Wie er sich den geholt hat, liegt auch im Dunkel der Fußballgeschichte.)

Ich drehe den Fuß ein bisschen hin und her – geht doch, nie im Leben ein Haarriss. Morgen beim Fernsehen hochlegen und nicht aufregen lassen (damit meine ich dich, Manuel Neuer!), dann wird das schon wieder.

In diesem Sinne: Euch viel Spaß beim Viertelfinale!

Der Mittelfuß

Gestern abend hüpfte ein schmerzverzerrter Steven Gerrad vor mir auf einem Bein durch die Wohnung. Es war natürlich nicht Steven Gerrad, sondern V., im Liverpool-Trikot mit Nummer. Aber das tut hier nichts zur Sache. Viel wichtiger ist: V. hüpfte, denn er war verletzt. Ist es immer noch. Hat die Bänder/Sehnen am linken Mittelfuß überdehnt, beim Volleyball. Ganz typisch, sagte die Ärztin, und verpasste V. einen hübschen Tape-Verband:

V. leidet. Er kann nicht auftreten. Ihm war den ganzen Tag langweilig. Der Fuß tut weh. Aber, und so kenne ich ihn, er schöpft auch Kraft aus dieser Verletzung.
Er sagt: „Eigentlich cool. Erst ein Muskelfaserriss, wie der Vittek (mehr hier), jetzt der Mittelfuß, wie Mintal. Lass ich mir also doch ‚Mintal‘ aufs neue Trikot drucken.“
Wobei sich Marek Mintal ja den Mittelfuß gebrochen hat, sogar zweimal, was wir jetzt mal keinem wünschen wollen. Aber ich bin froh, dass das die Sache mit dem Trikot, der Nummer und dem Namen nun auch geklärt ist.

Verletzt.

V. hat einen Muskelfaserriss. „Cool“, sagt er. „Wie Robert Vittek.“

Alles ist cool, solange es nur ein Fußballspieler auch hat. Der Muskelfaserriss hat V. innerhalb kürzester Zeit auf Fußballer-Niveau katapultiert, auch wenn nicht geklärt werden kann, bei was er sich die Muskeln überhaupt gerissen hat.

Von Robert Vittek kann man annehmen, dass er recht exzessiv Fußball gespielt hat, vielleicht blöd gestolpert ist – jedenfalls musste er daraufhin acht Wochen aussetzen.

V. hatte zwei Wochen vor der Diagnose überhaupt keinen Sport getrieben. Was eigentlich eine Unverschämtheit ist: Für einen Muskelfaserriss muss sich einer wie Robert Vittek richtig schinden, V. tut dagegen einfach so die Wade weh.

Dafür hat er jedoch schon nach einer Woche wieder eine sportliche Betätigung aufgenommen.

Denn der Muskelfaserriss war nach wenigen Tagen schon gar nicht mehr so cool. Weil sich D. in schönster Mintal-Manier den Mittelfuß gebrochen hatte.

Und der ist nicht mal Fußball-Fan.