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Was ist eigentlich ein Spul-Spiel? (Spoiler-Alarm!)

 

Was ist eigentlich ein Spul-Spiel? derclubundich.de

Im Prinzip teilt sich die Menschheit in zwei Gruppen: Solche, die bei einem neuen Buch erstmal die letzte Seite lesen. Und solche, die das niemals tun würden.

In Kategorie 1 fallen auch Menschen, die mit Spoilern kein Problem haben. Die sich zum Beispiel die komplette elfte Staffel von Grey’s Anatomy anschauen können, obwohl sie vorher wissen, dass McDreamy in der letzten Folge sterben wird. Also Menschen wie ich.

Zu Kategorie 2 gehören Menschen, die es für den größten Frevel auf Erden halten, sich vorher zu informieren, wie ein Buch ausgeht. Oder bei der aktuellen Lieblings-Serie mal im Internet „voraus zu lesen“. Also Menschen wie der V.

Der V. hasst es, wenn ich mich vorab informiere. Nichts will er wissen. NICHTS.

Schlimm, solche Menschen, die sich von der Popkultur einfach nur überraschen lassen wollen.

Weshalb ich alles für mich behalten muss. Ich gestehe deshalb nur hier, im geschützten Rahmen: Es gibt da einen massiven Spoiler, Staffel 5 unserer aktuellen Lieblings-Serie betreffend, über den ich rein zufällig bei Twitter gestolpert bin… aber meine Lippen sind versiegelt, und wenn wir zur entsprechenden Folge gelangen, werde ich sehr überrascht tun (und ich kann sehr gut schauspielern, was das betrifft).

Nun fragt Ihr Euch natürlich: Was hat das alles mit Fußball zu tun?

Natürlich eine Menge. Denn was Fußball betrifft, treibt es der V. mit dem „ich lasse mich vom Leben überraschen, vielleicht gewinnt der Club ja HEUTE“ entschieden zu weit. Deshalb – und aus Gründen des Ehefriedens – hat er das Spul-Spiel erfunden.

Was braucht man für ein Spul-Spiel?

  1. Einen Festplattenrekorder.
  2. Ein Sky-Abo.
  3. Eine Frau mit einem Twitter-Account.

Die altgedienten Leser hier wissen: Für Punkt 1 und 2 haben wir vor Jahren unsere Seele an die Telekom verkauft und uns anschließend mit Sky eingelassen. Und  zum Glück überträgt Sky auch die 2. Bundesliga. Und wenn man ein Spiel nicht live sehen darf, kann man es zumindest aufnehmen.

Warum darf man ein Spiel nicht live sehen?

Zum Beispiel aus Gründen des Ehefriedens. Und weil man es aufnehmen kann.

Gibt es verschiedene Spul-Spiel-Arten?

Sehr gute Frage! Es gibt genau zwei.

1. Das außergewöhnliche Spul-Spiel: Ein Traum! Der Club spielt wie entfesselt, führt zur Halbzeit schon 3:0, fegt Fürth vom Platz, nach Abpfiff tragen die Spieler einen glücklichen Alois Schwartz zur Südtribüne, wo ihn die Fans ausgiebig feiern… Ein außergewöhnliches Spul-Spiel ist de facto gar kein Spul-Spiel, weil der Club so gut spielt, dass man jede Minute genießen möchte und gar nicht spulen muss. Ein Beispiel wäre das Spiel gegen… ach, fällt mir jetzt nicht ein. Weiter.

2. Das klassische Spul-Spiel: Hier haben sich der Festplatten-Rekorder und „Fast Forward“-Funktion echt bewährt. Beim klassischen Spul-Spiel passiert entweder gar nichts (0:0 oder Gegentor in der letzten Minute) oder zu viel (also: zu viele Gegentore), dass der V. das Spiel immer nur für ein, zwei Minuten laufen lässt und dann wieder spult. Und spult. Und spult. Der Vorteil: Das klassische Spul-Spiel dauert so nur zehn Minuten und zwei Tage später wird Alois Schwartz entlassen. Beispiele: Club gegen Fürth vergangenen Sonntag oder Club gegen 1860, die Woche davor.

Was hat nochmal die Twitter-Frau mit dem Spul-Spiel zu tun?

Alles! Zum Einen ist die Twitter-Frau ganz oft dafür zuständig, das Spul-Spiel zu programmieren. Zum Beispiel, wenn der V. aus beruflichen Gründen das Spiel nicht sehen kann. Und auch wenn er erst mitten in der Nacht nach Hause kommen würde – er würde sich das Spul-Spiel ansehen. Und  natürlich darf ihm niemand verraten, wie es ausgegangen ist. Besonders schlimm für den V.: Die Twitter-Frau weiß, wie das Spiel ausgegangen ist. Und er weiß, dass sie es weiß.

Auch schön: Der V. schaut das Spul-Spiel nur Zeit versetzt, sagen wir, um 20 Minuten. Aber Twitter ist ja immer Echtzeit. Und weil die Twitter-Frau die Finger nicht von Twitter lassen kann, kennt sie natürlich den aktuellen Spielstand. Und weil sie nicht zu herausragenden Geheimnisträgern gehört, sieht er vielleicht an ihrer Mimik, ob gerade was gutes oder was schlechtes für den Club passiert ist… SPOILER!!!

Ach, es ist kompliziert.

 

Nicht ohne seine Stutzen

Meine Oma, die bald 87 Jahre alt wird, muss jeden Tag Stützstrümpfe tragen. Das sind diese sehr dicht gewebten, sehr engen Strümpfe, die man sich nicht alleine anziehen kann. Einmal habe ich meiner Oma dabei geholfen. Das war sehr anstrengend für uns beide, weil ich erst nicht wusste wo bei so einem Strumpf vorne, hinten, oben oder unten ist, und dann habe ich mich ganz schön abgemüht, das Ding an ihren Fuß zu kriegen. Meine Oma ist weder groß noch dick, sondern keine 1,50 groß und schmächtig. Aber meine Herren, diese Strümpfe…! Das mach ich nie wieder, hab ich mir geschworen.

Jetzt mach ich es jeden Tag.

Nicht bei meiner Oma, nein. Sondern bei meinem Sohn. Da sind es auch keine STÜTZstrümpfe. Es sind STUTZEN. Sehr dicht gewebte, sehr enge STUTZEN, die die kleinen, dreijährigen Beine so sehr STÜTZEN, das man Angst um ihre Blutzufuhr haben muss.

Im FCN-Fanshop heißen die Stutzen übrigens lapidar „Socken“ und  das halte ich für die Untertreibung des Jahrhunderts. Wegen ganz normaler „Socken“ wäre ich nicht jeden Morgen um halb acht schon schweiß gebadet.

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Aber von vorne. Ich habe diesen Dreijährigen zu Hause, bei dem – was für eine Glück! – die Club-Konditionierung perfekt funktioniert. Wir haben es hier mit einem Hardcore-Fan zu tun, der sich mit Bayern-Fans anlegt, an kalten Tagen einen Club-Schal mit in den Kindergarten nimmt und jeden Tag – JEDEN Tag – sein „Minikids Set“ von Umbro trägt. Dieses Set besteht aus Heimtrikot, Hose mit FCN-Emblem (O-Ton: „Das muss IMMER vorne sein, Mama!“ Ach was!) und eben „Socken“. Socken mit stark stützender Funktion, wie bereits erwähnt.

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Ich danke den Menschen bei Umbro wirklich sehr.

Dafür, dass sie den Club wieder ausstatten (wie schon im Meisterjahr), dass sie wirklich schöne Trikots machen und dass sie diese Trikots auch in der sehr kleinen Größe 92/98 anbieten. Der Dreijährige besitzt sein Minikids Set seit Anfang August und seitdem sind nur sehr wenige Tage vergangen, an denen er es nicht getragen hat. (Natürlich auch nachts. Was soll denn die Frage.) Er hat sich sogar in der U-Bahn blöd anreden lassen (sagt so ein Typ, das Kind da habe ja wohl das falsche Trikot an, manche Leute sind echt unverschämt).

Selbstverständlich gab es Tage, an denen das Minikids Set in der Wäsche war. Großes Geschrei. Krokodilstränen. Und zum Glück eine große Schwester, die generös ihr Minikids Set (Größe 122) leihweise freigab. Gut, die Hose war definitiv zu groß, aber das wollte er uns nicht glauben.

Ich bin da echt cool. Ich kann damit leben, wenn meine Kinder nicht geschleckt wie englische Privatschüler aus dem Haus gehen. Die dürfen anziehen, was sie wollen. Ich muss ja nicht den ganzen Tag so rumlaufen. Muss halt zum Wetter passen.

Ich war eh über mich hinaus gewachsen. Vor einem Jahr  hatte ich noch gelästert über Mütter, die ihre Söhne den ganzen Tag im Fußballdress rumlaufen lassen. Zack, war ich selber so eine.

Ich weiß jetzt auch, warum diese Mütter ihre Söhne den ganzen Tag so rumlaufen lassen. Weil sie sonst bis zum Abend mit dem tobenden Kind vorm Kleiderschrank sitzen würden. Weil sie es leid sind, Jeans oder Cordhosen oder Bagger-Pullis anzupreisen wie Lothar Matthäus als fähigen Bundesligatrainer.
Weil sie einfach nur das Haus verlassen möchten mit einem angekleideten Kind.

Und das Kind brüllt: „ICH WILL  MEIN CLUB-TRIKOT!!!!“
Ok, da hast du es, zieh es halt an. Aber mit Pulli drunter!
„ABER MIT FUSSBALL-PULLI!“
Der ist in der Wäsche.

(Er setzt wieder an, seine Halsschlagader pocht schon wie die von Uli Hoeness.)

Ist ja schon gut, ich hol ihn.
„UND DIE HOSE!!!“
Nee, also komm, nicht die Hose, es hat drei Grad, du wirst schlimm krank.
„ICH BRAUCH DIE HOSE!!!!“
Jetzt schrei doch nicht so, unter uns wohnen Leute.
„DIE  CLUB-HOOOOOOOSEEEEEE!!!!“
Jajajajajajaja, die Hose, hier ist sie, aber da ziehst du eine Strumpfhose drunter.
„UND DIE STUTZEN?!“
Komm, die lassen wir heute mal weg.
(Ich versuche ganz beiläufig zu klingen. Als würde ich sagen: Komm, heute lassen wir das Zähneputzen mal weg, hihi)
„NEEEEIIIINNNNNN!!! NICHT OHNE MEINE STUTZEN!“
Och Mensch, dann müssen wir die wieder über die Strumpfhose ziehen!
„JA!!! ÜBER DIE STRUMPFHOSE!“
Und dann knie ich da, denke an meine Oma und versuche, meinem Sohn diese Dinger ans Bein zu kriegen. Der natürlich ganz genaue Vorstellungen hat, wie das zu geschehen hat. Da darf keine Falte zu sehen sein und nix umgeschlagen werden. Zum Schluss muss der Stutzen so hoch wie möglich gezogen werden, so weit wie möglich übers Knie, also eher so bis unters Kinn. Und dann nochmal glatt streichen! Aber richtig!

Sonst: Halsschlagader. Hoeness. Hölle.

„GANZ ÜBERS KNIE, MAMA, GANZ HOCH!“
Muss das sein? Jetzt rennst du rum wie der Schweinsteiger!
„NEIN, MAMA. WIE EIN FUSSBALLER.“

Bitte, lieber 1. FC Nürnberg, liebe Leute bei Umbro: Nächste Saison einfach lockerer stricken, ja?

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