Schlagwort-Archiv: Saison 2008/09

Aufsteigen.

Am Morgen danach will sich V. ein Michael-Oenning-Bärtchen rasieren, dem Aufstiegs-Trainer zu Ehren. Hat er dann aber doch nicht gemacht.

Stattdessen sind wir nach dem Spiel durch das fränkische Dorf E. gelaufen, wo es, wenn ich richtig gezählt habe, acht Trampolins gibt, mindestens 20 Franken-Fahnen (inkl. Fahnenmast) und geschätzte 50 Club-Fahnen -letztere wurden minütlich mehr, weil ein Club-Fan gerade vom Spiel zurück gekommen war und neue Club-Fahnen verteilte.

Wir trafen ihn, als er damit gerade eine Familie beglückte, die vor ihrem Neubau grillte und dabei „Die Legende lebt“ hörte. Es war großartig.

Wir schauen also beglückt in die Zukunft und in die erste Liga, wir stellen fest, dass das Kind von Club-Fan K. und seiner Frau A. von Geburt an erstklassig sein wird (Termin ist Anfang August), und dass für die Begegnung FC Bayern – FCN schon erste Anfragen bei uns eingetroffen sind. Natürlich werden wir so schnell wie möglich versuchen, Karten zu bekommen.

Und ja, ich werde dabei sein. Jetzt, wo der junge B., Bayern-Fan aus O., noch immer traumatisiert von unserem gemeinsamen Besuch eines völlig unbedeutenden Länderspiels vor zwei Jahren, mich davon abhalten wollte, erst recht.

Empfang (3)

Der Receiver ist da. Er hat mindestens 1000 Programme, sprach anfangs nur Tschechisch und verfügt über keinen wie auch immer gearteten Schlitz für Bezahlfernsehen.

V. im Rausch. DSF, Eurosport, Canal Futbol und und und.
Da unterbreche ich nur ungern.  „Wir haben am Montag ja Jahrestag“, sage ich.
V. antwortet, wie ich es von ihm erwarte: „WAS?! Am MONTAG?! Nein, bitte tu mir das nicht an, nicht am MONTAG! Ich hab schon den Mittwoch für dich geopfert.“
Am Mittwoch, während andere Männer versuchen die Champions League zu gewinnen, schleift mich V. beim Samba übers Parkett.
Seine Stimme bekommt einen flehentlichen Unterton: „Am Montag ist doch das Spiel gegen Rostock! Das wird übertragen! Und jetzt haben wir doch DSF!“
Immerhin hat er schon einmal ein Montags-Club-Spiel für mich sausen lassen. Vor elf Jahren. Das kann ich ihm nicht schon wieder antun.

Verhört

„Ach, und hab ich einen wirklich tollen Artikel im Stern gelesen“, rufe ich V. zu, der im Schlafzimmer an der Bügelwäsche verzweifelt, während ich mir in der Küche noch ein Salami-Brot schmiere.

„Über Jürgen Klopp.“ 
Na ja, ich rufe das weniger, als das ich es am Salami-Brot vorbeimüffele, deshalb kommt etwas raus das eher klingt wie „… …. Kl…bb.“
Plötzlich schießt V. um die Ecke. „Was?! Wo?! Wie lange?! Hast du’s dabei? Kann ich’s lesen?“
Ich gucke ein bisschen verständnislos, schlucke das Salami-Brot hinunter, um mich wieder einwandfrei artikulieren zu können und sage: „Seit wann bist du so interessiert an Jürgen Klopp?“
Verständnislosigkeit bei V. „Klopp? Ich dachte, ich Stern steht was über den Club!“
Er schlurft zurück ins Schlafzimmer und murmelt noch eine Zeitlang kopfschüttelnd „Klopp, Klopp, als ob mich der interessieren würde“ vor sich hin.

Empfang (2)

Die Handwerker sind fertig, die Anschlüsse gelegt, jetzt brauchen wir noch einen Receiver. Über die Vermieterin kann man wohl einen bestellen. Wollten wir eigentlich auch so machen. 

Dachte ich.
Bis V. sagt: Wir sollten darauf achten, dass der neue Receiver auch einen Slot für eine Pay-TV-Karte hat.
Ich: ?
V: Falls man mal Premiere haben möchte.
Ich: Aber warum sollte man denn Premiere wollen?
V: Man könnte dann zum Beispiel D. einladen und ein bisschen Bundesliga-Konferenz schauen.
Ich: Ich glaube nicht, dass man das möchte. Dann geht man ja gar nicht mehr aus dem Haus. Bundesliga kann man doch auch nebenan in der Kneipe schauen.
V: Aber die zeigen doch nur Bayern-Spiele!!!
Es entspinnt sich ein kleiner Streit darüber, ob man jetzt wirklich Premiere braucht. Halbherzig lasse ich mich davon überzeugen, dass es sich dabei nicht um ein richtiges, kostenspieliges Abo handeln würde, sondern eher um das Abonnement einzelner Spiele. Man hat das natürlich alles längst im Internet recherchiert.
Ok. Dann macht man das halt. Fehler. Denn ab dieser Stelle denkt man gleich weiter.
V: Natürlich wäre dann ein Receiver mit Festplatte noch viel besser. 
Ich: Warum?
V: Dann kann mann aufnehmen, was man schauen möchte und es dann ohne Werbung schauen.
Ich: Aber so viel Fernsehen schauen wir doch gar nicht.
V: Praktisch wäre es auch, wenn ein Kind da wäre. Angenommen, das schläft um 20.15 Uhr noch nicht – so ist es zum Beispiel bei D. – um 20.45 Uhr aber schon. Verpasst man immer den Anfang von einem guten Film. Kann man mit dem Receiver aufnehmen und einfach ab 20.45 Uhr gucken. Kostet halt 300 Euro.
Ich: Aber wir haben doch gar kein Kind!

Empfang (1)

Montagmorgen, 7.30 Uhr, es klingelt an der Tür.

Davor stehen zwei Handwerker. Der eine hat eine Glatze, der andere trägt ein bayerisches Trachtenmützerl und spricht mit polnischem Akzent.
Sie installieren gerade eine Satellitenanlage im Haus, dafür müssen sie in jeder Wohnung Löcher bohren und Kabel verlegen. V. führt durch unsere Wohnung, rückt Möbel zur Seite, zeigt Anschlüsse, fachsimpelt. Bejaht die Frage, ob wir einen Receiver brauchen. Händigt den Handwerkern einen Schlüssel aus.
Die bedanken sich und setzen ihre Runde bei unseren Nachbarn fort.
V. schließt die Tür hinter ihnen mit einem breiten Grinsen.
„Ist das nicht wunderbar?“
Ich bin kurz verwirrt. Was ist denn so wunderbar an einer Satellitenanlage? Der DVBT-Receiver hat’s die ganze Zeit doch auch getan.
„DSF!!“ ruft V. „Die Montagsspiele live!!! Wahnsinn!“
Wie reagiert die vorbildliche Ehefrau?
Sie zaubert ein warmes Lächeln auf ihr Gesicht und sagt:
Ich bin glücklich, wenn du glücklich bist.