Schlagwort-Archiv: Saison 2007/08

Trost ist im Sauerland.

Entweder hat er es noch nicht realisiert oder er nimmt den Abstieg wirklich mit beneidenswerter Gelassenheit.

Doch abwarten: Ob am ersten Spieltag der neuen Bundesliga-Saison noch Argumente wie „Toll, dann ist das Club-Spiel jeden Montag das Top-Spiel im DSF“ etwas gelten, ist heute noch nicht sicher.
Den unausweichlichen Abstieg in die zweite Liga nahm V. am Samstag jedenfalls wie ein Mann. Aber da waren ja auch zwölf andere Männer, die ihn mit viel Bier und Gitarrenmusik wieder auffangen konnten – und die er vorsorglich mit Club-Trikots ausgestattet hatte.
Half alles nichts.
Trost spendete das Sauerland-Lied, das V. gestern allerdings nur noch krächzen konnte. „…Wo die Mädchen noch wilder als die Kühe sind.“ Aha.
Trost kam auch von M., der wie immer unnachahmlich formulierte:
„Liebe kennt keine Liga.“

Ein ganz normaler, verregneter Freitagabend

15 Uhr: V. bester Laune, schlägt Abendessen vor, kauft ein und kocht fast alles selbst.

18 Uhr: Wir essen. V. spricht von „den Abend gemeinsam verbringen“. Ach, das wird ja gemütlich, denke ich.
19.30 Uhr: V. entschuldigt sich, ich muss den Abend ab 21.30 Uhr alleine verbringen, denn B5 überträgt die zweite Halbzeit des Club-Spiels. Habe natürlich Verständnis, will ja auch, dass der Club gewinnt und schau dann halt einen alten Tatort.
21.25 Uhr: V. schaltet Radio ein und ist hoch erfreut: Club führt 1:0. Und das gegen die beste Mannschaft der Rückrunde, das muss hier mal gesagt sein.
21.30 Uhr: In Nürnberg regnet es nicht, es schüttet.
21.35 Uhr: In Nürnberg geht die Welt unter. Ganz normale englische Verhältnisse, sagen die Kommentatoren. „Jetzt pfeif schon an“, sagt V. zum Radio. Das Radio pfeift nicht an.
21.40 Uhr: „Scheiße“ brüllt V. aus der Küche und ich denke, Mist, jetzt führt Wolfsburg doch noch. Dem ist nicht so. „Verdammt noch mal, pfeif an“, murrt V. in Richtung Radio. Das Radio pfeift immer noch nicht an. Der Schiri auch nicht. Kommentatoren ratlos, in England spielen sie doch auch.
21.45 Uhr: Rasen wird vom Wasser befreit, Ball hüpft über den Platz. Schaut gut aus, sagen die Kommentatoren. Schiri telefoniert mit Wetteramt.
21.55 Uhr: V. schimpft. Auf den Schiri. Auf das Wetter. Auf das Schicksal. Auf den drohenden Abstieg.
22.15 Uhr: V. sagt: „Wenn wir jetzt deswegen absteigen, dann…“ Was dann passiert, sagt er nicht. Denn…
22.25 Uhr: Spielabbruch, der erste in der Bundesliga seit 32 Jahren. V. stinksauer. Geht ins Bett. 
Den Tatort kannte ich schon, der war langweilig.

Hoffnung ist kein Kitsch.

V: Jetzt könntest du schon mal was wieder in den Blog schreiben!

(Zu Recht hat er wie einige andere meine durch den Meyer-Rausschmiss ausgelöste Schreibblockade kritisiert. Da ich mich nun aber an Thomas von Heesen und seine schicken Anzüge am Spielfeldrand gewöhnt habe, kann es weiter gehen. Schöner Trainer, übrigens.)
Ich: Ich hab doch was reingeschrieben. Unter der Überschrift „Dreieins“. (siehe unten)
V: Gefällt mir nicht. Da musst du schon „Hoffnung“ schreiben.
Ich: „Hoffnung“ ist doch viel zu kitschig für Fußball!
V: Im Fußball kann es nie kitschig genug sein.

Dreieins.

Wir unterhalten uns gerade darüber, ob Stefan Raab zur ARD gehen sollte oder nicht.

V. sagt: Dreieins.
Wir fachsimpeln, welche Filme bei keinem Kriegsfilmabend fehlen dürfen und ob „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ wirklich der ultimative Hochzeitsfilm ist.
V sagt: Dreieins.
Wir wissen nicht, ob wir fünf Minuten auf die Straßenbahn warten sollen oder ob es sich lohnt, in der Zeit bis zur nächsten Haltestelle zu laufen.
V sagt: Dreieins.
V. sagt an diesem Samstagabend natürlich noch ein bisschen mehr. Äußert sich zu Stefan Raab, gibt Kriegsfilmfachwissen zum besten und spricht sich dafür aus, nicht auf die Straßenbahn zu warten. Um dann noch zu erwähnen: Dreieins.
Und es ist wirklich wahr: Der Club hat Dreieins gegen Frankfurt gewonnen. Steht damit zwar immer noch auf einem Abstiegsplatz, aber was soll’s.
Dreieins.

Spieler des Tages: Michael A. Roth (Aro)
Was ich über ihn weiß: Schon lange Präsident des Club. Sehr lange. Teppich-Spezialist. Nicht sehr beliebt.
Wie V. ihn findet: Seit Samstag sagt er: Respekt. Sauber.
Warum Spieler des Tages: Nachdem beim Spiel gegen Frankfurt drei Leuchtrakaten aus dem Fan-Block auf dem Spielfeld landeten, stellte sich Roth für den Rest des Spieles vor denselbigen.
Weitere Fakten: Normalerweise wirkt Roth wie ein überkandidelter, fränkischer Napoleon, der sich nicht zu fein ist, Schuhe mit Absätzen zu tragen. Ein Mann, mit dem der Club nicht so gut kann, aber ohne ihn eben auch nicht. Dass er sich am Samstag vor den Block schwarzer Ultras stellen würde, hätte wohl kaum ein Fan erwartet. Und Roth war ehrlich entsetzt und sauer – auf Misimovics Tor reagierte er nicht einmal mit einem Schulterzucken.

Sehr geehrter Herr Bader,

mit Verlaub: Aber was haben Sie sich dabei bloß gedacht? Lassen wir mal den Abstiegsplatz und das 1:1 gegen Rostock links liegen und schauen uns um, was übrig bleibt. 

Da sind die ganzen entsetzten Fans. Da sind aber auch die Frauen der entsetzten Fans. 

Da ist V. 
Da bin ich.
Klar, Herr Bader, Sie müssen sich das Gejammere ja nicht anhören.  Jedenfalls nicht live. Sie gehen halt einfach nicht mehr ans Telefon oder lassen das Internet-Forum auf der Club-Homepage schließen. Vor Ihnen sitzt kein 31-Jähriges Häuflein Elend auf dem Sofa, das wahlweise auf den „Chaotenverein“ oder den „Idiotenverein“ schimpft.
Lieber Herr Bader,
und dann auch noch an einem Montag! Das macht man aber nun wirklich nicht. Nicht, wenn Herr Meyer am morgen noch seine Beziehung zum Verein lobt und sich Deutschland abends auf das „Lost“-Staffelfinale konzentrieren sollte.
Stattdessen habe ich die Hälfte von „Lost“ verpasst, weil V. ständig zu „Blickpunkt Sport“ umschalten musste. Aber die konnten die Neuigkeit zu diesem Thema ja auch noch nicht mit Fakten füllen.
Aber vielleicht hat es sich am Sonntag schon angekündigt, als wir gefühlte 44 Folgen der bekannten Serie „24“ schauten. Der mitleidlose Agent Jack Bauer ist auf der Suche nach einer Person, die angeblich wichtiges Beweismaterial bei sich hat. Im weiteren Sinne: Ein Terrorist. Der Agent legt sich mächtig ins Zeug, um diese Person zu finden, schmuggelt sich in ein Flugzeug, macht sich dreckig, tut sich weh – bis die erlösende Nachricht aus der Zentrale kommt: Die gesuchte Person ist ein deutscher Terrorist und heißt Hans Meyer.
Später stellt sich heraus, dass es eine Verwechslung war, aber da hat Jack Bauer den Herrn Meyer schon im Gepäckraum eingeschlossen.
Ein Omen?
Und, Herr Bader, wie konnten Sie es zulassen, dass V. die Nachricht von einem KSC-Fan erfährt! Können Sie sich das Trauma unzähliger Club-Fans vorstellen, die an einem Montagabend angerufen werden? Von einem KSC-Fan? Der „es“ schon weiß? Der sich plötzlich als Überbringer der Hiobsbotschaft wieder findet, dabei wollte er doch eigentlich trösten.
Das war ganz schön blöd, Herr Bader. Hätte man damit nicht bis Dienstagvormittag warten können? 
Ach, Herr Bader, ich weiß schon, was sie jetzt sagen werden: Der Club-Fan ist halt zu vergesslich. Früher, also in Prä-Meyer-Zeiten, war das nämlich ganz normal, dass der Club mal ganz schnell einen Trainer los wurde. Das war bei Klaus Augenthaler so (von V. auch sehr verehrt, aber nicht so sehr), bei Wolfgang Wolf – eigentlich bei allen, oder? Nun hat sich der Verein also wieder auf die alten Muster besonnen, zum Nachteil des Herrn Meyer. 
Schade, trotzdem. 
Jetzt wird es wieder wie früher werden. Jetzt kommen wieder die mitleidige Blicke – aber vielleicht auch die billigen Tickets in der 2. Liga und Siege gegen 1860. Und dann auch wieder 1. Bundesliga. 
Aber, dass Sie es wissen, Herr Bader, die gerahmte Autogrammkarte von Hans Meyer, die lassen wir auf dem DVD-Player stehen. Jetzt erst recht.
Mit freundlichen Grüßen, natürlich auch an Herrn Roth.