Schlagwort-Archiv: Saison 2006/2007

32. bis 34. Spieltag: Wetten dass

Während der letzten Spieltage begibt sich V. in ein Dilemma. Weil Nürnberg die Uefa-Cup-Qualifizierung (heißt das so?) so gut wie sicher hat, macht er Versprechungen.

Ich war nicht dabei, aber es muss ungefähr so abgelaufen sein:

V. trifft auf der Arbeit, den Kollegen Stuttgart-Fan. V. mag Stuttgart nicht, was auch irgendwie mit Thomas Hitzlsperger zusammen hängt. Und V. gönnt Schalke auch eigentlich die Meisterschaft, nicht nur weil Schalke seit 49 Jahren darauf wartet, sondern auch irgendwie wegen der Fan-Freundschaft zwischen Nürnberg und Schalke (die mir keiner erklären kann, aber ich finde es irgendwie nett).

V. wird großzügig und verspricht dem Stuttgart-Fan, dass Nürnberg gegen Schalke gewinnen werde, um Stuttgart vorzeitig die Meisterschaft zu ermöglichen.

Das war dumm, denn kurze Zeit später erinnert V.s Chef ihn daran, dass er – der Chef – Schalke-Fan ist.

Glücklicherweise haben die Nürnberger in einem übermenschlichen Akt V.s Arbeitsplatz und das gute Verhältnis zu seinem Chef gesichert. Und Stuttgart ist trotzdem Meister geworden, auch wenn das für Schalke natürlich schade ist.

Wie sich aber Bayer Leverkusen auf der aktuellen Tabelle noch vor Nürnberg mogeln konnte, ist mir entgangen.

Aber eigentlich ist die Bundesliga ja schon wieder Schnee von gestern, weil ja in der kommenden Woche zwei große Termine anstehen: Champions-League-Finale am Mittwoch (wir sind jetzt Liverpool-Fans, versteht sich von selbst) und Pokalfinale am Samstag. Zu letzterem wieder eine nette Geschichte von K., der sogar eine Karte für dieses Spiel in Berlin hatte, jetzt aber nicht hinfahren kann, weil der Sportverein Ermershausen gleichzeitig seine Meisterschaftsfeier abhält.

Erst kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu.

27. bis 29. Spieltag: Wäsche und Fußball

Die Aktualität dieses Blogs hat etwas gelitten, aber das soll nun nicht weiter stören. Der Club ist auf Platz fünf, hat dies auch dem FC Bayern (oder Leverkusen, wie man will) zu verdanken und V. musste feststellen, dass Wäsche und Fußball nicht zusammen passen.

Es ist Samstag, gleich ist Anpfiff und „Heute im Stadion“ im Radio, aber V. betätigt sich netterweise als guter Hausmann und hängt noch schnell Wäsche auf. Im Keller.
Er verpasst die ersten Millisekunden des Spiels und damit ein Tor für Nürnberg.

Hinterher sagt er, dass er das schon ahnte, als er die erste Unterhose an die Wäscheleine klemmte. „Ich steh da unten und die machen ein Tor.“

Es gibt Dinge, die gehen nicht miteinander.

26. Spieltag: Schweiß

Eigentlich mag ich Unentschieden, sie sorgen erfahrungsgemäß für ein ruhiges, fast fußballfreies Wochenende.
V. lässt die erste Halbzeit ausfallen und hört sich die zweite im Radio an. Dafür spielt der Club nur 0:0 und wird einen Tag später von Leverkusen überholt. Gut, das war blöd.

Doch V. ist abgelenkt, denn er hat einen Gutschein für ein Clubtrikot bekommen. Na ja, eher für ein Club-Kleid. Das Trikot hat laut P., einem der Schenkenden, Größe XL.
Man wird sehen, wie das aussieht.

Aus gegebenem Anlass erklärten mir V. und P., warum die Clubfarben dunkelrot und schwarz sind. Die waren nämlich, vor langer Zeit, mal hellrot-weiß, wie sich das für einen fränkischen Club gehört.

Nur dass sie es damals, in der Saison 1931/32, mit er Sauberkeit noch nicht so genau nahmen. Oder das Trikot nicht so oft wechseln konnten. Jedenfalls färbte der Schweiß die Trikots gegen Ende der Saison dunkel.

Man hat das dann gleich so gelassen. Das ist bodenständig und praktisch und es passt zum Club, keine Frage.

25. Spieltag: Fußball verbindet

Es ist Freitagabend und V. muss sich zusammen reißen. Der Club spielt und was muss V. tun? Mit mir Menschen besuchen, die er nicht kennt! Pärchenabend, während es anderswo um Uefa-Cup-Plätze geht.
Ich möchte V. Freunde vorstellen, V. sagt: Wenn wir wieder zu Hause sind, muss ich aber gleich in den Videotext schauen.

Wir besuchen also Freunde von mir, essen Nudeln, verstehen uns gut. Das Gespräch kommt nicht direkt, geradewegs auf Fußball. Es landet nur irgendwie plötzlich bei Sportreportern, über die der Gastgeber einen weniger netten Kommentar fallen lässt.

V. gesteht mir auf dem Heimweg, dass er da dachte, der Abend wäre fußballmäßig gelaufen.

Dann geht alles ganz schnell. Von Sportreportern zu Fußball im Allgemeinen, zu Nürnberg gegen Frankfurt im Besonderen und schon sitzen Gastgeber und V. vor dem Laptop und hören Bundesliga Live. Spannendes Spiel, Club rettet sich mit einem Unentschieden.

Dann fachsimpeln V. und der Gastgeber über E-Gitarren und Verstärker.

„Es sind immer drei Stufen“, sagt die Gastgeberin zu mir. „Fußball, Gitarren und…“

Stufe drei fällt uns erst später ein. Computerspiele, was sonst.

Männer haben es da sehr einfach, beneidenswert. Obwohl – Frauen reden über Taschen oder Schuhe. Ist eigentlich das Gleiche.

24. Spieltag: Nie mehr erste Liga

V. und ich gehen heute abend ins Kabarett. Aus diesem Anlass spielten wir ein kleines Spiel. Ich sage etwas, V. antwortet – aber antwortet er auch richtig?
Ich: Also dann um sieben.
(Im Radio läuft gerade eine Ankündigung für das Champions League Spiel Bayern München – Real Madrid)
Ich: Oh, da verpasst du ja Fußball heute abend.

V: Ist schon ok.

Diese Antwort war falsch. Die richtige Antwort müsste lauten: Ach, da reicht mir der Spielbericht morgen im Internet.

Oder so ähnlich.

In den vergangenen Wochen habe ich mir desöfteren gewünscht, der Fußballverein, dessen Namen ich jetzt nicht nennen möchte, weil das an dieser Stelle vielleicht Unglück bringt, möge sich wieder in die 2.Liga verabschieden.
Das war angenehmer und wurde in meiner Beziehung nicht so oft thematisiert.
Nun spielt sich eben jener Verein immer mehr in den Vordergrund, ständig sprechen Menschen V. darauf an und ich habe auch noch diesen Blog angefangen.

V. wird ab und zu hysterisch und weigert sich, das abzustellen. Beim letzten Pokalspiel, beispielsweise. Hat der Club ja bravourös gewonnen. Wurde leider in keiner Kneipe übertragen. Weshalb V. leicht angefressen nach Hause kam. Und dann wage ich es, mich darüber zu freuen, jetzt eine gewisse Krankenhausserie im Privatfernsehen zu schauen.
Entrüstung! Jetzt kommt doch Blickpunkt Sport!

Da wäre ich wirklich gerne abgestiegen, bis in die D-Jugend meinetwegen.