Schlagwort-Archiv: Saison 2006/07

12. Spieltag: Angekommen in der Gegenwart

Aachen. Ich habe von Fußball nicht viel Ahnung, das ist bekannt. Aber sogar ich habe kapiert, dass das mit Aachen eigentlich nicht so schwer hätte sein sollen. Aufsteiger, pah! Die putzen wir weg. War natürlich nicht so.

Und noch einmal möchte ich betonen, dass ich mit all meinem Fußballverstand schon vor Wochen beim ersten Unentschieden davor gewarnt habe, dass der Club in die alten Muster zurück fällt. Bis zum Schluss führen, gut spielen, in der 90. Minute noch ein Tor kassieren und unentschieden nach Hause fahren.

Natürlich war es gestern wieder so. Ich verkünde V. das Ergebnis per SMS und er meldet sich sofort von der anderen Seite des Atlantiks. Fegt wie Rumpelstilzchen durch sein Hotelzimmer und ereifert sich über den Tabellenplatz: 12.

Werter Leser, für mich ist nun alles wieder wie früher. V., der Club und ich sind angekommen in der Gegenwart, in der Realität. Und die ist nicht viel anders als vor einem Jahr oder in der vorletzten Saison. Der Club spielt gut, aber er gewinnt nicht und V. leidet. Das sind echte Fans, daran erkennt man, dass er einer IST.

Bremen hat übrigens verloren. Aber meine Leidenschaft war ja sowieso schon ein bisschen abgekühlt.

Ein Zeichen

Am kommenden Wochenende tritt der Club gegen den FC Bayern München an. Gut gegen Böse. Aber – um jetzt eine leicht verschwurbelte Theorie aufzustellen – die Chancen stehen gut für den Club. Denn: Lucio stand im Saturn.
Das hat jetzt nichts mit Astrologie zu tun, sondern mit der Tatsache, dass V. und ich ein schnurloses Telefon kauften und Lucio, brasilianischer Nationalspieler und Bayern-Inventar, einen Computerbildschirm.
Außer mir hat ihn natürlich niemand erkannt. Mein Fußballwissen tendiert gegen null, aber ich erkenne einen Promi, wenn ich ihn sehe. Da stand er also, der Lucio – auf welcher Position spielt der überhaupt? – mit einem Übersetzer und einem Saturn-Mitarbeiter und ließ sich in einem stickigen, überfüllten Elektronikfachmarkt zu Computerbildschirmen beraten.
Bayern, so schlussfolgerten V. und ich, wird am Wochenende desaströs spielen und es wird damit zu tun haben, dass Lucio die ganze Woche an seinem Computer rumgefriemelt hat, statt vernünftig zu trainieren.
Also alles geritzt für den dritten Spieltag, auch astrologisch.

Trainingslager

An einem Dezemberabend im Jahr 1997 hat der Club gewonnen. Es bleibt unbekannt wie hoch oder gegen wen. Wichtig ist: Gewonnen. Der 1. FC Nürnberg an an diesem Abend gewonnen. Damals eine Ausnahmeerscheinung für den Zweitligisten. Seit diesem Abend teile ich mein Leben mit V. Ein großer Bestandteil seines Lebens ist der Club und so gehört er auch zu meinem. In den fast neun Jahren unserer Beziehung ist der Club mehrere Mal ab- und wieder aufgestiegen, haben wir Trainer gehen und Michael A. Roth bleiben sehen, haben Häme über uns ergehen lassen („Willst du Nürnberg oben sehen, musst du die Tabelle drehen“) und an jedem Wochenende gezittert.
Seit ein paar Monaten ist das anders. Seit ein paar Monaten gewinnt der Club. Höchste Zeit also, diese historische Serie mit Beginn der neuen Bundesliga-Saison festzuhalten.
Ich interessiere mich übrigens nicht für Fußball. Aber das macht nichts. V. hat Interesse für uns beide. Wer mit V. lebt, kommt am Club nicht vorbei.