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Style Pass: Die Blattkritik

Es gibt ein neues Magazin im Blätterwald: Style Pass, ein Fußballmagazin für Frauen, nein, „das einzig wahre Frauenfußballmagazin“. Ich habe mir das Heft gekauft und genau angeschaut, schließlich gehöre ich zur Zielgruppe und verstehe auch was davon, wie  man Magazine macht.

Gleich die Titelgeschichte polarisiert mit der These: Frauenfußball und Männerfußball darf man nicht vergleichen, weil es unterschiedliche Sportarten sind. Ich staune, so hatte ich das noch gar nicht gesehen. Noch mehr staune ich, als in eben dieser Titelgeschichte mein Name und ein Zitat von mir auftauchen. In dem zitierten Interview (das ich im Mai 2014 dem Journalistinnenbund gegeben habe) habe ich davon gesprochen, dass Frauen Fan-Sein anders interpretieren als Männer. Style Pass nutzt es, um die damit recht wacklige These vom Nicht-Vergleichen dürfen zu stützen. Weil Frauen eben anders sind als Männer. Und ich dachte, das Mars-Venus-Ding wäre durch.

Da bin ich - in der Titelgeschichte
Da bin ich – in der Titelgeschichte

Also schaue ich mir die Titelgeschichte gleich genauer an.  Die Autorin schreibt darüber, dass Vergleiche zwischen Frauen- und Männerfußball völlig fehl am Platz seien. „Frauenfußball ist eine eigenständige Sportart“, sagt da ein Experte, immerhin ein Ex-Trainer. Der muss es ja wissen und die zwei Frauen, die in die gleiche Kerbe hauen, sowieso.

Kein Vergleich? Ich bin überhaupt nicht dieser Meinung.

Fußball ist Fußball – ob das nun Kinder spielen, Männer, Frauen oder Außerirdische. Die Regeln sind immer dieselben, die Größe des Platzes, die Anzahl der Bälle, überall gibt es zwei Tore und einen Schiedsrichter und es befinden sich meistens 22 Menschen auf dem Rasen. Und während einer WM machen mir Wadenprobleme immer Sorgen, ob die nun Nadine Angerer hat oder Manuel Neuer.

Wer unbedingt eine „eigene Sportart“ einführen muss, macht den Frauenfußball klein, lässt ihn klein bleiben – und Fußballerinnen werden trotz Profivertrag weiter als die netten, harmlosen Amateurkickerinnen wahrgenommen. Und die Männer als die echten Profis mit der dicken Kohle.

Ich möchte die Reaktion der deutschen Biathletinnen erleben, wenn ihnen einer erzählt, sie bräuchten eine eigene Sportart. Weil ihr Gewehr leichter ist oder die Ski kürzer. Dafür wäre dann weniger Geld auch gerechtfertigt. Überhaupt das Geld! Es sei ja schon ein Fortschritt, dass mittlerweile einige Frauen vom Fußball leben könnten, zitiert Style Pass Regina Senkler, die mal Frauenfußballreferentin beim Hessischen Fußballverband war. Sie sagt, „die Millionengehälter bei den Männern seien auch kritisch zu betrachten“. Und. „Das hat mittlerweile Züge angenommen, die völlig übertrieben sind.“

Ich interpretiere: Eine Frau sagt, es sei schon ok, dass Frauen weniger verdienen, weil Männer sowieso zu viel bekommen? Welche Frau will schon so pervers viel Geld verdienen! Nein, schütten wir lieber noch eine Tonne Zement in den Gender Pay Gap.

Solche Aussagen kann man nicht so stehen lassen, vor allem nicht, wenn man unabhängigen Journalismus machen will – wie es Style-Pass-Chefredakteurin Eva Britsch im Editorial ankündigt. Unter unabhängigem Journalismus verstehe ich,  dass auch die Gegenseite zu Wort kommt und nicht nur Stimmen, die die eigene These unterstützen. Wo ist denn bitte die Stimme einer Spielerin oder Funktionärin, die mehr Geld fordert, bessere Werbeverträge und mehr Medien-Präsenz? Style Pass reicht ein neutrales DFB-Zitat, der Frauenfußball fühle sich in der Gesellschaft sehr gut aufgehoben. Wer genau das gesagt haben will, erfahre ich nicht.

Im vorletzten Absatz wird noch schnell ein neuer Aspekt abgehandelt, das Fan-Sein nämlich, und da kommt mein Zitat ins Spiel: „Den meisten Frauen ist dieser Fanatismus völlig fremd, in den Männer sich reinsteigern können, wenn der Schiedsrichter Abseits gepfiffen hat, wo keines war.“ Diese Aussage unterschreibe ich immer noch, aber ich meinte damit, dass Frauen das Fan-Sein oft anders interpretieren.  Nicht, dass man Frauen und Männer oder Frauen- und Männerfußball nicht vergleichen darf.

Ich glaube, es geht auch gar nicht ums Vergleichen oder Vergleichen-Dürfen, sondern darum, dass Frauenfußball und Männerfußball  in Zukunft auf der gleichen Ebene wahrgenommen werden, wie das bei anderen Sportarten auch der Fall ist. Aber die Idee mit der „eigenen Sportart“ ist doch wirklich Quatsch.

Und der Rest des Heftes?  Style Pass hat mich nicht überzeugt.

Wer es nicht besser weiß, muss beim Durchblättern glauben, das Heft hätten Männer gemacht, die meinen, dass Frauen das Ding schon kaufen, wenn es nur irgendwie pink eingefärbt ist. Aber das hat bei Bohrmaschinen und Laptops auch schon nicht funktioniert.

Ich bin eine Frau, die sich für Fußball interessiert und sich auch ein bisschen auskennt. Die Zielgruppe – das bin doch ich. Aber wenn mich einer mit „Girls, Ladys, Chicks und Senioritas“ anspricht, mach ich, dass ich wegkomme. Für Modestrecken kann ich mir auch die Brigitte kaufen, Basteltipps gibt es viele im Internet und Kochrezepte zur Not auch in der Fernsehzeitung meiner Eltern. Alles Sachen, die ich in einem Fußballheft nicht brauche.  Vieles ist mit heißer Nadel gestrickt, eilig getextet, kaum redigiert, reich an sprachlichen und bildlichen Klischees, manchmal unfreiwillig komisch. Manches verstehe ich auch nicht: Warum die Modestrecke keinen Vorspann hat und „Italian Nostalgia“ heißt, wo ich doch nur gelangweilte Models auf einen Fußballplatz starren sehe. Warum es eine Doppelseite zum Thema Kunst gibt, deren Fußballbezug sich mir nicht erschließt. Warum es am Ende einen mit weißen Rosen bebilderten Fortsetzungsroman geben muss. Der war ein echter Rausschmeißer.

Fazit: Meine 11-Freunde-Sammlung und die Art, wie die Kollegen damals „11 Freundinnen“ gemacht haben, ist mir lieber.

Frauen-Magazin? Männer-Magazin? Kein Vergleich? Vergesst’s.

Wenn es um guten Journalismus geht, werde ich keine neue Sportart einführen.

 

 

 

 

Dem Himmel so nah.

Vor zwei Tagen, ich hatte schon die Jacke an und wollte aus dem Haus, klingelt das Telefon. 0800er Nummer, das verheißt eigentlich nichts Gutes. Bestenfalls ist es jemand von Infratest Dimap, der mir nach einer halben Stunde über das ökologische Engagement von Firmen wie BMW oder Eon (ohne Scheiß, ist mir passiert), endlich die Sonntagsfrage stellt.

Aber – wie schön – es ist die Deutsche Telekom.

Die Älteren unter euch werden sich noch erinnern, wir hatten vor drei Jahren dorthin unsere Seele verkauft, weil der V. unbedingt LigaTotal haben musste. Das ging zwei Jahre lang gut, bis die Telekom die Bundesliga-Rechte verlor und ein Jahr lang das Zeug von Sky senden durfte.

„Guten Tag, ich bin die Frau Ö. von der Telekom. Sie haben ja die Bundesliga über unseren Kooperations-Partner Sky empfangen und vielleicht unseren Brief gelesen, dass diese Kooperation zum 30. Juni endet…“

Brief? Welcher Brief?

„Oh, das ist aber schade“, sage ich. Der V. sieht mich mit Telefon am Ohr im Flur sehen und formt mit den Lippen den Satz „Wer isn da dran?“, aber ich reagiere nicht.

„… freue ich mich, Ihnen mitteilen zu können, dass wir die Kooperation um zwei Jahre verlängert haben“, sagt Frau Ö. in dem Moment. „Für nur 19,90 Euro im Monat. Sind Sie dabei?“

„Hmmm…“, ich überlege. „Ist das auch mit zweiter Bundesliga?“

Der V. schaut: alarmiert.

Frau Ö: „Wieso?“

Ich: „Na ja, wir haben uns damals für LigaTotal entschieden, um unseren Verein zu sehen. Nun ist der abgestiegen und wenn wir über die Telekom keine zweite Bundesliga sehen können, erübrigt sich für uns dieses Abo.“
(Mist, hoffentlich denkt sie jetzt nicht, wir wären Braunschweig-Fans.)

Frau Ö: „Moment, ich kläre das.“

V: „Wer ist das? Warum zweite Bundesliga? Ist das die Telekom?“

Ich deute ein Nicken an.

Frau Ö: „Hören Sie, hier bin ich wieder. Also, das ist inklusive zweiter Bundesliga.“

Ich: „Dann nehme ich das.“

Frau Ö: „Ist sogar mit Sky Premium HD für 12 Monate umsonst. Filme und so.“

Ich: „Mach ich.“

V. läuft hektisch hin und her.

Frau Ö: „Und mit Sky Go, dann können Sie das auch auf mobilen Geräten sehen.“

Ich: „Oh, da haben Sie meinen Mann gerade sehr glücklich gemacht.“

V. verlässt den Raum.

Dabei kommt jetzt der romantische Teil.

Frau Ö: „Zur Qualitätssicherung zeichne ich das Folgende jetzt auf. Sie abonnieren also Sky Bundesliga für 24 Monate…“

Ich: „Ok.“

Frau Ö: „Sie müssen Ja sagen, das ist wie auf dem Standesamt.“

Ok. Ja, ich will. Und der V. auch.

 

Die schreckliche fußballfreie Zeit…

… hat endlich ein Ende, doch dann das:

Seufz.

Wie wär’s denn mal mit einer Werbung fern alberner, überholter, sexistischer Klischees?

Kann man nicht einfach Menschen zeigen, die sich freuen, dass wieder Fußball kommt?
Frauen, Männer, Kinder, Schwule, Lesben, Omas, Opas… was auch immer.
(Ohne Flintstones-Optik, Glupschaugen oder Fußball-BHs. Und nein, das mit der Ironie lasst Ihr jetzt lieber mal bleiben, das ist nämlich Glückssache.)

Denkt euch was aus, ARD.

Fußball total.

„Bist du verrückt, in dem Alter soll sie doch noch nicht fernsehen!“

„Das ist nicht Fernsehen, das ist Fußball.“

Hier prallen zwei Erziehungsstile aufeinander.

Ich will, dass das Kind erst einmal ohne Fernsehen aufwächst.

Der V. möchte, dass es mit Fußball aufwächst.
Vor allem aber möchte der V. Samstags um halb vier in Ruhe Bundesliga schauen. Jetzt, wo er es endlich kann und wir auch dafür bezahlen.
(Das Kind sieht übrigens nicht immer so interessiert zu wie auf dem Foto, es verliert sogar ziemlich schnell das Interesse und zuckt nach mehreren Spieltagen nicht mal mehr, wenn sein Vater den Schiri anblafft oder die Abwehr zusammenfaltet.)
Seit Mitte Oktober haben wir LigaTotal. Das heißt, wir bezahlen knapp 15 Euro im Monat und können dann alle Bundesliga-Spiele sehen. Nicht nur live, sondern wann immer, wir das wollen. (Ich will das nicht.)

Es war ein langer Weg dahin. Ich bin soweit zu glauben, dass in der DDR die Trabbis schneller ausgeliefert wurden als es die Telekom heute schafft, T-Entertain und LigaTotal freizuschalten.

Aber von vorne. Von ganz vorne.

Januar. Wie immer, wenn der V. ein Ding möchte und ich nicht, ergebe ich mich irgendwann meinem Schicksal. (Näheres dazu hier.) Diesmal möchte der V. gerne T-Entertain und LigaTotal. Auf Deutsch heißt das: Fernsehen übers Internet mit Festplattenrekorder und alle Bundesligaspiele. Immer. Und jedes Wochenende live. Irgendwann möchte ich das auch. Ich weiß nicht warum, aber darüber möchte ich nicht nachdenken. Für all das sind wir bereit, zur Deutschen Telekom zurückzukehren. Und zuerst ist auch alles ganz einfach: Im T-Punkt (der nicht mehr so heißt), hackt der Typ hinterm Tresen ein paar Infos in seinen Computer, druckt uns zwei Seiten aus und sagt: „Hm, ob das mit LigaTotal noch in dieser Saison hinhaut kann ich nicht versprechen.“ Der V. verspricht, zu warten.

März. Die Telekom schreibt, dass unser alter Anbieter uns erst im Juli ziehen lässt. Tja. Die Saison wäre futsch. Die Telekom schreibt auch, dass sie uns diese Auftragsbestätigung zum zweiten Mal schicken, beim ersten Mal sei sie zurückgekommen. Kein Wunder. Ging ja auch an eine Adresse, die schon sehr lange nicht mehr unsere ist. Die Auftragsbestätigung ist für Telefon und Internet. Dass von Fernsehen und Fußball keine Rede ist, fällt mir nicht auf.
Juli. Telefon und Internet funktionieren. Für Fernsehen und Fußball braucht man ein Extra-Kästchen. Davon keine Spur. Wird schon noch kommen, beschwichtige ich. Die haben uns doch nicht vergessen! Ende Juli, der Beginn der neuen Saison rückt immer näher, beschwert sich V. im T-Punkt (der jetzt anders heißt). Dort stellt sich heraus: Unseren Auftrag gibt es nicht. V. bestellt alles neu. Vielleicht klappt es mit der Bereitstellung bis zum ersten Spieltag, sagt der Typ im Laden (ein anderer als im Januar), versprechen könne er aber nichts.
August. Zwei Wochen passiert: nichts. Dann ruft ein Typ an und will wissen, wie zufrieden wir mit dem Service im Laden gewesen wären. Ich antworte wahrheitsgemäß, dass alle sehr nett und zuvorkommend waren, wir aber immer noch nicht da bekommen haben, was wir bestellt haben. Der Typ fragt, was die Telekom noch tun könnte, um ihren Service zu verbessern. Ich breche in hysterisches Gelächter aus. Am nächsten Tag überwinde ich mich und rufe die Hotline an. Die Frau am anderen Ende der Leitung ist gleich dran, sie ist sehr nett und entschuldigt sich ständig. Auch hier stellt sich heraus: Unseren Auftrag gibt es nicht. Dafür ist immer noch die alte Adresse gespeichert. Sie ändert die Adresse. Sie bestellt alles neu. Ich will ein netter Kunde sein. Ich lobe die Hotline. Ich sage, dass das alles nicht so schlimm ist. Jetzt ist ja alles bestellt. „Sie kriegen dann in den nächsten Tagen eine Auftragsbestätigung und am 1. September wird alles funktionieren.“ Nette Frau.
September. Zwei Wochen passiert: Nichts. Dann erhalten wir statt einer Auftragsbestätigung den Festplattenreceiver. Mit dem wir nichts anfangen können, es ist ja nichts freigeschaltet. Eine Frau ruft an und sagt, die Auftragsbestätigung sei wieder zurückgekommen, ob das unsere Adresse sei. Nein, das ist die alte. Ob sie das ändern könne. Nein, da müsse ich die Hotline anrufen. Ein Typ ruft an und fragt, wie ich mit dem Service der Hotline zufrieden sei. Ich antworte wahrheitsgemäß, dass alle sehr nett und zuvorkommend seien, kann dann aber nicht verhindern, hysterisch-diabolisch zu lachen. Er legt auf. Ich bin mittlerweile in der Lage, im Internet-Kundencenter der Telekom meine Daten einzusehen. Unser Auftrag hat dort einen neuen Status bekommen. Er lautet: gelöscht. Ich rufe die Hotline an, die Frau am anderen Ende der Leitung ist sehr nett, aber sie kann sich auch nicht erklären, warum das System alles löscht. Sei bestellt alles neu. Am 22. September soll alles funktionieren. Ein Typ ruft an und fragt, wie ich den Service der Hotline finde. Ich fange an zu heulen.
21. September. Der Status unseres Auftrags im Kundencenter lautet: gelöscht. Ich rufe die Hotline an. Der Typ am anderen Ende der Leitung ist entrüstet, kann sich aber auch nicht erklären, was das System gegen unseren Auftrag hat. Er verspricht uns ein Geschenk und bestellt alles neu. Warum bestellen Sie alles neu, frage ich, Sie müssen doch nur freischalten. Gibt’s da kein Kästchen, dass Sie anklicken können? Nein. Alles neu oder gar nicht. Ok. Alles neu. Am 4. Oktober werde alles funktionieren. Später verschiebt die Telekom den Freischaltetermin auf den 13. Oktober. Ich beschwere mich auf der Facebook-Seite der Telekom. „Das ist sehr unglücklich“, schreibt die Frau, die die Seite betreut.
Oktober. Es funktioniert. Auf das Geschenk warten wir noch.
November. Eine Frau ruft an und will wissen, wie wir T-Entertain finden. Ich lege auf.
Auf das Geschenk warten wir noch. Der Club hat seit Oktober nicht mehr gewonnen.

V. sucht

Wenn das Fräulein Magath mal schläft, dann sieht unser Abend so aus wie jetzt:

Der V. und ich sitzen uns schweigend gegenüber, der V. trägt Kopfhörer, drückt im Sekundentakt Computertasten und brummt dabei. Das Ganze nennt sich „Fifa 10“, und in dieser virtuellen Welt spielt der V. so virtuos, dass der Club mindestens Weltmeister wird.
Gespielt hat der V. aber schon lange nicht mehr, erst hat ihn das Fräulein Magath nicht gelassen, dann hat er die CD mit dem Spiel nicht gefunden.
„Ich hab schon überall gesucht“, jammert er, was bedeutet, er hat nur oberflächlich geschaut und vor allem nicht da, wo das Spiel sich befindet.
Wie neulich mit den Handschuhen: „Wo sind die nur, ich such die schon seit einer Woche, ich hab doch schon überall geschaut.“
„Auch im Auto?“, frage ich.
„Natürlich“, motzt er, „da ja wohl als allererstes“, während ich im Augenwinkel wahrnehme, wie die Handschuhe verzweifelt am Autofenster auf und ab hüpfen und rufen „Hallooooo, hier sind wir, er hat uns nicht gesehen, obwohl wir seit einer Woche hier liegen!“
„Da sind sie doch“, sage ich mit meiner Das-Hirn-in-der-Beziehung-bin-ja-wohl-ich-Stimme, worauf er zurecht ein bisschen sauer ist, aber mir auch ein bisschen recht gibt, und dann befreit er die Handschuhe aus ihrem Gefängnis auf der Rücksitzbank.
„Es gibt da diese Schachtel, da hab ich irgendwann mal alle Computerspiele rein“, sage ich jetzt.
Jauchzen. Frohlocken. Preisen meines Ordnungssinns. Verzweiflung.
„Oh nein, in der Fifa-Hülle ist ja Drakensang! Und in der Drakensang-Hülle ist nichts! Wieso ist denn die Fifa-CD in der Oblivion-Hülle?“ (Manchmal spielt der V. auch so Fantasy-Zeugs.)
Was sonst geschah:
Der Club spielt gut, fast zu gut, um dieses Blog ordentlich zu führen. Dem Club-Fan an meiner Seite und vielen anderen auch steigt das mit den vier Siegen in Folge (zuletzt 1989!) mal wieder zu Kopf, da wird schon wieder von „international spielen“ und „Euro-League, also Uefa-Cup“ gefaselt, da will man wieder zu viel.
Ich persönlich bin immer noch irritiert, wenn Nürnberg in der zweiten Tabellenhälfte nicht zu finden ist, und will dann reflexartig eher noch weiter unten suchen als einfach ein Stückchen weiter oben. Ansonsten freue ich mich für Dortmund, da kann man mich jetzt wieder Event- oder Schönwetter-Fan schimpfen, da lach ich doch, in meiner Familie hat die Affinität für den BVB eine lange Tradition, schon vor fast 20 Jahren habe ich „18“ und „Ricken“ auf T-Shirts gepinselt (ok, es war 1996 oder 1997, aber das ist echt lange her).
Einen neuen Fernseher haben wir jetzt auch. Letztlich wurde nicht lange gefackelt, der alte hat sich immer noch bemüht, aber dann klappte das Bild seitlich so ein, der Ausschnitt wurde immer schmaler und dem V. wurde es zu blöd. An einem Samstag verkündete er schließlich „Ich geh jetzt los und kauf einen neuen Fernseher.“ Zwei Stunden später war er mit einem obszön großen Teil (40 Zoll oder so) zurück, noch mal fünf Minuten später wollte ich nie wieder einen anderen Fernseher.
Auch wenn mich seitdem Felix Magaths Nase in meinen Träumen verfolgt und meine Schwärmerei für Jürgen Klopp doch leicht erkaltet ist.
High Definition hat was unromatisches.