Schlagwort-Archiv: Länderspiel

Down Under. Der Unvollendete Eintrag.

Die Fragen, die den V. und mich bei diesem Länderspiel, neben Mario Gomez‘ Frisur, am meisten beschäftigen, sind diese:

Warum trägt Podolski als einziger das Nationaltrikot in der hautengen Variante?
Ziehen ihn die anderen Spieler deswegen auf? („Für Poldi nur Salat, sonst platzen die Nähte!“)
Wechselt er vor seinem 30. Geburtstag in die legere Variante oder beendet er seine Karriere als Wurst in Pelle?
Und wann bindet er sich mal die Hose zu? Wieso hängen da die Schlaufen raus? Sitzt doch nicht daheim auf’m Sofa, konstatiert V.
Aber vor allem: Wer sitzt da neben Michael Ballack? Ist das Klaus Kinski?
Doch von vorn:
Während mir beim Anblick von Wieses Friese noch die Augen brennen (Wo ist das Gegengift! Wo ist Gomez?!), schreit das Fräulein Magath.
Ich: Das Kind schreit.
V.: Aber es ist doch Fußball.
Chauvi.
Das Fräulein allerdings zeigt Verständnis für seinen Einwand und beruhigt sich gleich wieder.
Warum müssen wir eigentlich gegen Australien spielen, will ich wissen.
Nicht müssen, sagt V. Dürfen. Ein Freundschaftsspiel DARF man bestreiten und man DARF sich dabei auch sehr gerne langweilen.
Bin ich froh, dass dieses Spiel in Mönchengladbach stattfindet. Wäre die Wahl des DFB auf München gefallen, säße ich jetzt wieder in Skiunterwäsche in der Allianz Arena, weil V. und T. und die anderen schon wieder erfolgreich verdrängt haben, warum wir nach dem Tschechien-Debakel 2007 und dem Argentinien-Debakel 2010 eigentlich nie wieder ein überflüssiges Länderspiel live sehen wollten. Wobei mich wundert, dass der T. keine Karte für Mönchengladbach gelöst hat. Wo er sich doch in Australien gerade verlobt hat, der alte Romantiker.
Scheiße, sagt der V. plötzlich, kaum hol ich mir Cornflakes, steht’s 1:0.

V. vergisst seine Frau

Zwei Tage nach dem Länderspiel beugt sich V. morgens über die Zeitung, lacht und sagt:

„Das war wirklich so wie es hier steht, weißt du. Wenn die Deutschen den Ball hatten, hat das Publikum gebuht und bei den Pässen der Argentinier gejubelt.“
Ich sehe ihn für eine lange Minute an, bis ich sage:
„Ich weiß. Ich war dabei.“
„Ach, Mensch, stimmt! Wie peinlich. Das hätt ich fast vergessen!“
Ist auch besser so. Vergessen wir einfach, dass ich im Stadion war. Ist mir auch lieber.

Das Messi-Syndrom

„Chef“, rief ich beherzt über den Flur. „Ich muss Ihnen was gestehen.“

Ich hatte erwartet, er würde erstarren, in Gedanken schnell alle verfügbaren Möglichkeiten durchgehen, was ich nun gestehen könnte, aber er sagte nur:
„Ach, Sie waren das.“ Es klang gequält. (Schon vor langer Zeit hatte er mir Stadionverbot erteilt.)
Ja, ich war das. Ich war im Stadion. Tut mir leid.
Es war aber auch ein quälend langer Abend gewesen, in quälender Kälte. Skiunterwäsche wärmt nicht grenzenlos, das weiß ich jetzt. An kalten Abenden in zugigen Fußballstadien stellt sie spätestens gegen Ende der ersten Halbzeit ihre Dienste ein. Ungefähr zusammen mit dem Torwart der deutschen Nationalmannschaft.
Aber von vorne. Diese Geschichte begann schon vor Weihnachten, als T. mich binnen Minuten überredete mit zum Spiel Deutschland – Argentinien zu kommen.
„Du weißt doch wie das ausgeht“, sagte ich. „Du warst doch schon mal mit mir bei einem Länderspiel, du warst hinterher sauer auf mich, weil Deutschland drei-null gegen Tschechien verloren hat. Du wolltest mich nie wieder mitnehmen.“ (Wir erinnern uns.)
„Quatsch. Das wird lustig.“
Darauf die Reaktionen der anderen Teilnehmer:
V.: „Super! Ich glaub an dich! Du brichst den Fluch!“
B. (auf T.s Ankündigung, er hätte Karten, ob B. eine wolle, leicht panisch): „Geht deine Schwester mit?!?!“
S. (auf T.s Ankündigung, er hätte Karten, ob S. eine wolle, leicht panisch): „Geht deine Schwester mit?!?!“
Ich glaube, wie B. und S. haben auch einige junge Nationalspieler reagiert, nur dass man sie zu spät gewarnt hat.
Wahrscheinlich hat erst kurz vor Spielbeginn jemand dem jungen René Adler auf die Schulter getippt und gesagt: „René, cool bleiben, sie ist hier. Guck, da oben, Südtribüne, Block 219, Reihe 21. Aber mach dir keinen Stress, sie bricht den Fluch.“
Woraufhin René Adler die ganze erste Halbzeit lang mit den Augen die Südtribüne absuchte, sich der besseren Sicht wegen in der 44. Minute zu weit vom Tor entfernte und… na ja. Das war dann das 1:0 für Argentinien.
Oder die anderen. Sicherlich hat dieser jemand kurz vor dem Einlaufen Ballack, Podolski und Klose beiseite genommen, sie traurig angesehen und gesagt: „Also, es ist wieder passiert. Sie ist da. Südtribüne, Block 219, Reihe 21. Es ist wie damals gegen Tschechien. Ihr kennt das. Macht euch keinen Kopf. Ist ja nur ein Freundschaftsspiel.“
Aber die Herren gerieten trotzdem aus dem Takt und standen so verwirrt auf dem Platz herum, als müssten sie erst überlegen, wie das nun wieder geht mit dem Ball.
Zum wiederholten Mal ziehe ich daraus die Lehre: Nie wieder Stadion.
Nix da, sagt V. Jetzt erst recht. Auf 20 schlechte Spiele folgt ein gutes.
Zählt das pro Mannschaft? Muss ich mir noch 18 mal die Nationalmannschaft anschauen?
Nein, sagt V., das zählt insgesamt.
Wenn ich richtig gerechnet habe, liegen also noch 13 frustrierende Stadionbesuche vor mir.
Wer kommt mit?

Der Timo und ich

Sekunden vorher weiß ich es. Es ist, als würde das Bild ganz kurz einfrieren, die hilflosen Blicke der Verteidiger und die erhobenen Arme des Torwarts, alles steht still, nur einer bewegt sich. Der Ball. Es ist, als würde ihn jemand Richtung Tor ziehen und nicht schießen, und bevor überhaupt irgendetwas passiert weiß ich: Der ist drin und das ist nicht gut.

Dann fällt zum Beispiel ein Tor in der zweiten Minute und dann noch eins und in der zweiten Halbzeit das dritte. Ich habe also das zweite Gesicht, wenn auch recht rudimentär. Ich weiß nur ganz kurz vorher, dass jetzt das Tor für die anderen fällt, ich kann dafür keine Spielstände schon am Tag vorher voraussagen oder ob Deutschland Europameister wird.

Nach Mittwoch würde ich sagen: Eher nicht.

Ich bin jetzt also endgültig die Pechmarie: Seit 1991 war ich exakt vier Mal beim Fußball und genauso oft hat die von mir favorisierte Mannschaft verloren. Von verschiedenen Seiten wurde mir nun ein Stadionverbot erteilt, was ich verstehe, aber auch etwas schade finde. Denn mir gefällt es im Stadion, auch in der Allianz Arena. Auch wenn ich mir bei Länderspielen etwas komisch vorkomme, die Nationalhymne mitzusingen und mich nicht verkleide. Noch nicht.

Wenn ich also nicht mehr ins Stadion darf, dann der Timo auch nicht. Wenn Timo Hildebrand im Tor steht, geht das nie wirklich gut aus für die deutsche Nationalmannschaft. Auch wenn der Timo, so habe ich mir sagen lassen, kein schlechter Torwart ist und für mindestens zwei der drei Tore am Mittwoch nichts konnte. Diverse andere Mitspieler waren da noch planloser, zum Beispiel Lukas Podolski (ich wollte schon fragen, ob er eingewechselt wird, dabei spielte er die ganze Zeit mit bzw. tat immerhin so).

Der Timo und ich, wir sind keine Maskottchen, für keine Mannschaft. V. ist gnädig, er hat gesagt, ich soll mich durchbeißen, vier, fünf Spiele ohne Sieg, das macht den richtigen Fan aus.
Auch einen guten Torwart?

Wie werde ich Fußballgöttin – Lektion 1

Merke: Nicht dumm fragen, sondern klug feststellen.

Beispiel: Länderspiel Deutschland – Rumänien. 2. Halbzeit, beim Stand von 1:1 macht sich David Odonkor am Spielfeldrand warm.

V.: Was soll denn das? Der wechselt doch nicht den Odonkor ein! Der kann doch nix!

Ich: Weiß gar nicht was du hast, der war doch voll super bei der WM.

V.: Ach. Jetzt sitzt er da in Dings… na, Spanien und man hört nix von ihm.

Ich: Aber er rennt doch so schnell. Kommt über die Seite und – zack – Tor.

V.: Ach. Die paar Mal.

(In dem Moment rennt David Odonkor über die Seite an allen Rumänen und eigenen Männern vorbei und schießt das Tor zum 2:1)

V. schweigt.