Schlagwort-Archiv: Fußball und Kind

Nichts ist normal

Seit die FußballerIN da ist, läuft der Fußball ein bisschen neben her. Zumindest bei mir. Ich höre mich oft fragen „Gegen wen spielen wir heute?“ und vergesse es gleich wieder. Frage noch mal. Frage dann nach unserem Tabellenplatz. Kann es nicht glauben. Schläft das Kind, muss ich das gleich noch mal im Videotext überprüfen. Stimmt auch noch. Punktgleich mit Bayern.

Das ist doch nicht normal.
Nichts ist normal in dieser Bundesligasaison, sagt V.
Davon wird er der FußballerIN an ihrem 30. Geburtstag noch erzählen. Du kamst auf die Welt, und die Bundesliga stand Kopf. Aber so richtig. Mainz Tabellenführer mit sieben Siegen in Folge, Stuttgart und Schalke auf Abstiegsplätzen, und der Club mittendrin, Ende Oktober mit so vielen Punkten wie vergangenes Jahr zu Weihnachten.
Aber seit die FußballerIN da ist, ist ja auch bei uns nichts normal. Alles diktiert die neue Cheftrainerin, die neue Clubpräsidentin im Haus, die Trainermanagerin, unser kleiner Felix Magath.
Obwohl sich langsam ja das meiste wieder normalisiert. Wir emanzipieren uns ein bisschen von Fräulein Magath. Wir versuchen es.
Zum Beispiel schlief die FußballerIN gestern doch tatsächlich mal gegen 22 Uhr ein. Oder simulierte zumindest Schlaf. Schlich ich angespannt auf Wollsocken übers Parkett Richtung Tür, verharrte bei jedem Knarzen einige Sekunden (Zuckt das Kind? Wacht es etwa auf? Grunzt es nur? Oder ist das schon die Heul-Vorstufe?), erreichte schließlich das Wohnzimmer, voller Vorfreude, Bayern-Bremen, wenigstens fünf Minuten – da sagt der V.: „Ist schon aus. Bayern hat gewonnen.“ Aber ich wollte doch Elfmeterschießen.
Was außerdem nicht normal ist:
Niemand hat uns Club-Kleidung fürs Kind geschenkt. Hat sich keiner getraut. Ausrede: „Wir dachten, ihr hättet schon so viel von anderen bekommen.“ Mussten wir nun selber bestellen. Wird hier vorgeführt, wenn es passt. Ebenso der Fan-Body der SG Gabolshausen/Untereßfeld, der ist sogar eine Einzelanfertigung.
V. trägt Tragetuch. Fand er vor Ankunft der FußballerIN noch „affig“ („Kannst vergessen, dass ich mir so ein Ethno-Tuch umbinde“), trägt er jetzt mit Hingabe. Sagt, damit flirteten ihn Frauen an, die hätten ihn früher nicht mal bemerkt. Ich war Zeuge. Neulich, der V. hatte sich das Kind wieder an die Brust geschnallt, kam uns eine Gruppe Frauen entgegen und schmolz bei seinem Anblick schier dahin. „Ohhhhhh, wie süß!“
Ich war beleidigt. Wenn ich mir das Kind umbinde, fragen mich alte Omas, ob ich ihm damit nicht die Knochen kaputt mache.

Die FußballerIN ist da!

Fünf Wochen zu früh, aber pünktlich kurz nach dem ersten Anpfiff am zweiten Spieltag machte sich die FußballerIN auf den Weg.

Die Neugierde auf die Welt muss ja groß gewesen sein, dachte ich mir.
Vielleicht wollte sie aber auch nur wissen, wie die Bayern gespielt haben.
Wie der Arzt, der im OP – die FußballerIN kam ganz kaiserlich – ständig fragte: „Hat jemand ein internetfähiges Handy? Nein? Kann trotzdem irgendjemand rausfinden wie die Bayern gespielt haben?“
Darauf die Anästhesistin: „Mein Handy ist so alt, das kann nur telefonieren.“
OP-Schwester: „Und der Akku funktioniert noch?“
Erst zwei Tage später bin ich dazu gekommen, den V. zu fragen, wie die Bayern denn nun gespielt haben.
Verloren haben sie.
Um das zu erleben, kommt man halt mal fünf Wochen zu früh.
Ansonsten: alles gesund und munter.

Neuzugang beim Club

Nach Vertragsverhandlungen und Nachrichtensperre nun auch offiziell im Blog:

Wir erweitern unseren Kreis um ein neues Club-Mitglied, von dem hier spätestens Anfang Oktober desöfteren die Rede sein wird. Bis dahin wird es wachsen, wachsen, wachsen und irgendwann zur EM-Qualifikation kommt es dann raus.
Seinem Vater macht es jetzt schon Freude, weil er weiß, dass er die WM nicht in einem Kreißsaal verbringen wird, sondern so, wie er sich das vorgestellt hat: Im Biergarten beim Nachbarn, vor der Großleinwand.
Das Neu-Mitglied wird natürlich nach Erscheinen sofort beim FCN angemeldet, da ist die Mitgliedschaft bis zum 6. Lebensjahr umsonst. Danach muss es sich entscheiden, sagt V., oder es wird enterbt. Bei uns kann es mindestens bis 18 für umsonst bleiben.
T. ist überzeugt, dass das Neu-Mitglied ein FußballER ist, mein Vater hofft (weil seine Kinder höchstens Schildkröten Sympathien abgewinnen können) auf „einen Tierfreund“. Das Neu-Mitglied selber verrät noch nix.
Im Ultraschall hat das Neu-Mitglied sehr schöne Füße und definitiv keine Fußfehlstellung. Fußballerisches Talent ließ sich aber noch nicht erkennen. Gewunken hat es auch schon.
Ich nehme an, es lässt schön grüßen.