Schlagwort-Archiv: Fan-Sein

9./10. Spieltag. Berlin. Hoffenheim.

Da die Zeit fürs Bloggen in letzter Zeit knapp bemessen war, die Spiele der vergangene beiden Spieltage in der Kurzzusammenfassung:

Es wurden insgesamt sechs Tore erzielt.

Drei gegen Berlin.

(Dazu A.: V., du bist ja heute so entspannt. Spielt der Club erst morgen?)

Drei gegen Nürnberg.

Vorläufiges Endergebnis: Tabellenplatz 17.

Momentane Stimmung: Gefasst.

V. hat außerdem seine Ankündigung wahr gemacht und hat an der Jahreshauptversammlung des 1. FC Nürnberg teilgenommen. Nicht ganz unwitziger Seitenaspekt des Ganzen: Wäre er nur einen Tag später Mitglied geworden, hätte er nicht hin gedurft. War das Hochzeitsdatum also richtig gewählt.

Ich glaube nicht, dass er extra nach Nürnberg fährt, bis er mich an jenem Dienstagabend um halb sechs anruft und nur sagt: „Ich steh hier neben Mintal!“

Es stellt sich heraus, dass Marek Mintal einige wenige Meter weiter weg mit anderen Spielern eine Sitzgruppe belagert. V. weigert sich strikt, hin zu gehen und nach einem Autogramm zu fragen. Echauffiert sich über einen Fan, der weniger Hemmungen hat und Mintal fragt, warum es in letzter Zeit nicht so läuft für den Club. Weigert sich außerdem, mit Michael Oenning einen Stehtisch zu teilen und nach einem Autogramm für mich zu fragen. Wär ich doch mitgefahren.

In den darauffolgenden Stunden ruft er mich weitere vier Mal an um zu sagen, dass
– Günther Koch einen Antrag gestellt hat („Günther Koch!!!“)
– Michael Oenning eine tolle Rede gehalten hat
– Ulrich Maly, der Nürnberger Bürgermeister, eine tolle Rede gehalten hat, und
– dass er jetzt nach Hause fährt, obwohl die Versammlung noch dauert.

Um eins war er dann wieder da. Ohne Autogramme. Das üben wir nächstes Jahr noch mal.

3 Jahre Club, ich und V.

Heute vor drei Jahren hat dieses Blog pünktlich zur Saison 2006/2007 begonnen. Damals hätte ich nicht geglaubt, dass es nach drei Jahren noch immer etwas über den Club, mich und V. zu erzählen gibt. Aber ich hätte auch nicht gedacht, dass der Club Pokalsieger wird. Oder gleich wieder absteigt. Obwohl – das wahrscheinlich schon.

Vor drei Jahren hat mich V.s Leidenschaft für den Club halb amüsiert, halb genervt. Ersteres überwog aber, deshalb habe ich begonnen, darüber zu schreiben. Um damit wiederum letzteres zu kompensieren. Welche Entwicklung das alles in Gang setzte, konnte ich wirklich nicht ahnen. Hätte mir im Sommer 2006 jemand erzählt, dass ich mal „Die Legende lebt“  unfallfrei und mit echtem Pathos mitsingen würde, ich wäre wohl handgreiflich geworden.
Heute kann ich nur sagen: Das hat dieses Blog aus mir gemacht. Eine Frau, die mit Club-Schal im Stadion steht, über die Aufstellung des aktuellen Spieltages diskutieren kann, die mit Interesse die Sportschau verfolgt, die 20 Euro beim Fußballtipp gewinnt. Und ohne dass ich es bewusst wahrgenommen habe, hat sich eine kleine sprachliche Eigenheit in mein Hirn geschlichen, die vor drei Jahren sicher noch nicht da war und mit der im August 2006 dieses Blog begann.
Ich stelle mit Erschrecken fest: Ich sage „wir“ und meine den Club. Habe ich mich vor drei Jahren noch ironisch-distanziert darüber amüsiert, dass „wir“ eingekauft, gestritten, aber auch drei-null gegen Stuttgart gewonnen haben, sage ich heute ganz selbstverständlich Sätze wie „Haben wir den Charisteas wieder aus Leverkusen geholt?“ oder „Meinst du, wir gewinnen morgen gegen Frankfurt?“
Wohin diese Entwicklung noch führen wird, mag ich mir nicht ausmalen. Sie wird an einem eigenen Trikot nicht vorbei kommen, hoffentlich aber an der Easy-Credit-Fanbank.
Zur Feier des Tages: Was Ihr schon immer über dieses Blog wissen wolltet
Seit wann seid Ihr zusammen?

Seit der 1. FC Nürnberg 1:0 gegen die Stuttgarter Kickers gewann, in der Saison 1997/98. Es war ein Montagsspiel in der zweiten Liga.
 
Verliert der Club wirklich immer, wenn du im Stadion bist?
Nein, einmal hat es für ein Unentschieden gereicht, gegen Sechzig, im Dezember 2008. Abgesehen davon bin ich kein Glücksbringer, schon bei meinem ersten Stadionbesuch 1991 verlor der Club gegen Bayern. V. sagt aber, ich muss einfach öfter mit, um den Fluch zu brechen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Druck aushalten kann.
 
Warum ist V. Club-Fan?
Keine Ahnung. Oder um es mit Nick Hornby zu sagen: Den Verein sucht man sich ja nicht aus, der wird einem gegeben. Ich möchte dem hinzufügen: Als Freundin/Frau eines Fans wird es dir stattdessen zugewiesen. Ich stelle mir das so vor: Erst überreichte der Fußballgott feierlich V. den 1. FC Nürnberg. Dann drehte er sich um, winkte mich heran, deutete auf V. und sagte: Du da, du gehst zu dem.
 
Hat V. eigentlich selber mal gespielt?
Ja. Für sehr, sehr kurze Zeit. Hätten ihn nicht widrige Umstände gehindert, wäre er jetzt ein Ausnahme-Spieler und ich eine Ausnahme-Spielerfrau. Er versucht, freizeitmäßig zu kicken, leider mit mäßigem Erfolg.
 
Habt Ihr immer noch das gerahmte Hans-Meyer-Autogramm auf dem DVD-Player stehen?
Nein, das hab ich weggeräumt. Aber falls mir jemand ein Oenning-Autogramm besorgen kann, hol ich den Rahmen vielleicht wieder raus.
 
Ist V. auch schon immer Liverpool-Fan?
Mhm. Nein.
 
Warum ist er denn Liverpool-Fan?
Nun ja, wenn der eigene Verein kaum Möglichkeiten hat international zu spielen, muss man sich Alternativen suchen. Die findet man dann im Ausland, denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Club mal gegen Liverpool spielen muss, ist ziemlich gering. Außerdem findet V. alles Englische cool, war vom Champions-League-Finale in Istanbul 2005 begeistert – nun ja, dann kam eins zum anderen.
 
Schlaft Ihr in FCN-Bettwäsche?
Nein. Es gibt Grenzen.

Die anderen spielen auch nicht schlecht

In der Nacht von Samstag auf Sonntag erwäge ich das Engagement eines Mentaltrainers. Für V. – der wälzt sich nämlich schlaflos neben mir, so sehr regt ihn die Begegnung 1860 gegen FCN zwölf Stunden vorher schon auf. Noch beim Frühstück beschließe ich, dass das mit dem Mentaltrainer keine schlechte Idee ist. Der könnte V. vor unserem nächsten Stadionbesuch bestimmt beruhigend zur Seite stehen. 

Vielleicht kann ich ihm das auch zum Geburtstag schenken.

V. hat auf andere Weise vorgesorgt: Nämlich mit Thermo-Unterwäsche, neuer Mütze und Handschuhen. Der Sonntagnachmittag verspricht ein besonders kalter zu werden. Über mein eigenes Befinden mache ich mir zu diesem Zeitpunkt kaum Gedanken.
Wir sind schon längst in der Allianz Arena angekommen, da spüre ich erst, welcher Druck auf mir lastet. Ich sehe in die entsetzten Augen von H. und A., als ich ihnen erzähle, dass der Club bislang in meiner Gegenwart immer nur verloren hat. Und dafür sind sie über drei Stunden mit dem Zug angereist. Um sich von mir den Sonntag verderben lassen. 
Schon vor dem Anpfiff habe ich ein schlechtes Gewissen.
Das 1:0 für den Club beruhigt mich, die Halbzeit nicht mitgerechnet, keine Viertelstunden, die 60er legen ja gleich nach. Ich ärgere mich. Rutsche unruhig auf meinem Sitz hin und her. Verziehe den Mund zu einem konzentrierten Strich. V. lacht sich kaputt. Die anderen spielen ja auch nicht schlecht, sagt er. Das klang vor dem Spiel aber noch anders.
Nach 90 Minuten und einem Unentschieden bin ich immerhin dankbar, dass der Club diesmal zumindest nicht verloren hat. Vielleicht klappt’s ja nächstes Mal. Bis dahin bin ich ernsthaft auf der Suche nach einem Mentaltrainer. 
Nein, nein, doch nicht für V. Ich dachte da eher an mich.

Verhört

„Ach, und hab ich einen wirklich tollen Artikel im Stern gelesen“, rufe ich V. zu, der im Schlafzimmer an der Bügelwäsche verzweifelt, während ich mir in der Küche noch ein Salami-Brot schmiere.

„Über Jürgen Klopp.“ 
Na ja, ich rufe das weniger, als das ich es am Salami-Brot vorbeimüffele, deshalb kommt etwas raus das eher klingt wie „… …. Kl…bb.“
Plötzlich schießt V. um die Ecke. „Was?! Wo?! Wie lange?! Hast du’s dabei? Kann ich’s lesen?“
Ich gucke ein bisschen verständnislos, schlucke das Salami-Brot hinunter, um mich wieder einwandfrei artikulieren zu können und sage: „Seit wann bist du so interessiert an Jürgen Klopp?“
Verständnislosigkeit bei V. „Klopp? Ich dachte, ich Stern steht was über den Club!“
Er schlurft zurück ins Schlafzimmer und murmelt noch eine Zeitlang kopfschüttelnd „Klopp, Klopp, als ob mich der interessieren würde“ vor sich hin.