Fußball total.

„Bist du verrückt, in dem Alter soll sie doch noch nicht fernsehen!“

„Das ist nicht Fernsehen, das ist Fußball.“

Hier prallen zwei Erziehungsstile aufeinander.

Ich will, dass das Kind erst einmal ohne Fernsehen aufwächst.

Der V. möchte, dass es mit Fußball aufwächst.
Vor allem aber möchte der V. Samstags um halb vier in Ruhe Bundesliga schauen. Jetzt, wo er es endlich kann und wir auch dafür bezahlen.
(Das Kind sieht übrigens nicht immer so interessiert zu wie auf dem Foto, es verliert sogar ziemlich schnell das Interesse und zuckt nach mehreren Spieltagen nicht mal mehr, wenn sein Vater den Schiri anblafft oder die Abwehr zusammenfaltet.)
Seit Mitte Oktober haben wir LigaTotal. Das heißt, wir bezahlen knapp 15 Euro im Monat und können dann alle Bundesliga-Spiele sehen. Nicht nur live, sondern wann immer, wir das wollen. (Ich will das nicht.)

Es war ein langer Weg dahin. Ich bin soweit zu glauben, dass in der DDR die Trabbis schneller ausgeliefert wurden als es die Telekom heute schafft, T-Entertain und LigaTotal freizuschalten.

Aber von vorne. Von ganz vorne.

Januar. Wie immer, wenn der V. ein Ding möchte und ich nicht, ergebe ich mich irgendwann meinem Schicksal. (Näheres dazu hier.) Diesmal möchte der V. gerne T-Entertain und LigaTotal. Auf Deutsch heißt das: Fernsehen übers Internet mit Festplattenrekorder und alle Bundesligaspiele. Immer. Und jedes Wochenende live. Irgendwann möchte ich das auch. Ich weiß nicht warum, aber darüber möchte ich nicht nachdenken. Für all das sind wir bereit, zur Deutschen Telekom zurückzukehren. Und zuerst ist auch alles ganz einfach: Im T-Punkt (der nicht mehr so heißt), hackt der Typ hinterm Tresen ein paar Infos in seinen Computer, druckt uns zwei Seiten aus und sagt: „Hm, ob das mit LigaTotal noch in dieser Saison hinhaut kann ich nicht versprechen.“ Der V. verspricht, zu warten.

März. Die Telekom schreibt, dass unser alter Anbieter uns erst im Juli ziehen lässt. Tja. Die Saison wäre futsch. Die Telekom schreibt auch, dass sie uns diese Auftragsbestätigung zum zweiten Mal schicken, beim ersten Mal sei sie zurückgekommen. Kein Wunder. Ging ja auch an eine Adresse, die schon sehr lange nicht mehr unsere ist. Die Auftragsbestätigung ist für Telefon und Internet. Dass von Fernsehen und Fußball keine Rede ist, fällt mir nicht auf.
Juli. Telefon und Internet funktionieren. Für Fernsehen und Fußball braucht man ein Extra-Kästchen. Davon keine Spur. Wird schon noch kommen, beschwichtige ich. Die haben uns doch nicht vergessen! Ende Juli, der Beginn der neuen Saison rückt immer näher, beschwert sich V. im T-Punkt (der jetzt anders heißt). Dort stellt sich heraus: Unseren Auftrag gibt es nicht. V. bestellt alles neu. Vielleicht klappt es mit der Bereitstellung bis zum ersten Spieltag, sagt der Typ im Laden (ein anderer als im Januar), versprechen könne er aber nichts.
August. Zwei Wochen passiert: nichts. Dann ruft ein Typ an und will wissen, wie zufrieden wir mit dem Service im Laden gewesen wären. Ich antworte wahrheitsgemäß, dass alle sehr nett und zuvorkommend waren, wir aber immer noch nicht da bekommen haben, was wir bestellt haben. Der Typ fragt, was die Telekom noch tun könnte, um ihren Service zu verbessern. Ich breche in hysterisches Gelächter aus. Am nächsten Tag überwinde ich mich und rufe die Hotline an. Die Frau am anderen Ende der Leitung ist gleich dran, sie ist sehr nett und entschuldigt sich ständig. Auch hier stellt sich heraus: Unseren Auftrag gibt es nicht. Dafür ist immer noch die alte Adresse gespeichert. Sie ändert die Adresse. Sie bestellt alles neu. Ich will ein netter Kunde sein. Ich lobe die Hotline. Ich sage, dass das alles nicht so schlimm ist. Jetzt ist ja alles bestellt. „Sie kriegen dann in den nächsten Tagen eine Auftragsbestätigung und am 1. September wird alles funktionieren.“ Nette Frau.
September. Zwei Wochen passiert: Nichts. Dann erhalten wir statt einer Auftragsbestätigung den Festplattenreceiver. Mit dem wir nichts anfangen können, es ist ja nichts freigeschaltet. Eine Frau ruft an und sagt, die Auftragsbestätigung sei wieder zurückgekommen, ob das unsere Adresse sei. Nein, das ist die alte. Ob sie das ändern könne. Nein, da müsse ich die Hotline anrufen. Ein Typ ruft an und fragt, wie ich mit dem Service der Hotline zufrieden sei. Ich antworte wahrheitsgemäß, dass alle sehr nett und zuvorkommend seien, kann dann aber nicht verhindern, hysterisch-diabolisch zu lachen. Er legt auf. Ich bin mittlerweile in der Lage, im Internet-Kundencenter der Telekom meine Daten einzusehen. Unser Auftrag hat dort einen neuen Status bekommen. Er lautet: gelöscht. Ich rufe die Hotline an, die Frau am anderen Ende der Leitung ist sehr nett, aber sie kann sich auch nicht erklären, warum das System alles löscht. Sei bestellt alles neu. Am 22. September soll alles funktionieren. Ein Typ ruft an und fragt, wie ich den Service der Hotline finde. Ich fange an zu heulen.
21. September. Der Status unseres Auftrags im Kundencenter lautet: gelöscht. Ich rufe die Hotline an. Der Typ am anderen Ende der Leitung ist entrüstet, kann sich aber auch nicht erklären, was das System gegen unseren Auftrag hat. Er verspricht uns ein Geschenk und bestellt alles neu. Warum bestellen Sie alles neu, frage ich, Sie müssen doch nur freischalten. Gibt’s da kein Kästchen, dass Sie anklicken können? Nein. Alles neu oder gar nicht. Ok. Alles neu. Am 4. Oktober werde alles funktionieren. Später verschiebt die Telekom den Freischaltetermin auf den 13. Oktober. Ich beschwere mich auf der Facebook-Seite der Telekom. „Das ist sehr unglücklich“, schreibt die Frau, die die Seite betreut.
Oktober. Es funktioniert. Auf das Geschenk warten wir noch.
November. Eine Frau ruft an und will wissen, wie wir T-Entertain finden. Ich lege auf.
Auf das Geschenk warten wir noch. Der Club hat seit Oktober nicht mehr gewonnen.

2 Gedanken zu „Fußball total.

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