Ein offener Brief von mir an Martin Bader

Sehr geehrter Herr Bader,

ich schreibe heute an Sie, da ich Sie immer als Fels erlebt habe, auch wenn die Brandung noch so wild war, Sie bewahren Haltung, einen kühlen Kopf und wählen Ihre Worte überlegt und weise.

Deshalb habe ich mir gedacht, Sie können sicherlich auch mit meinem schlecht gelaunten Ehemann zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehr viel besser umgehen als ich. Ich hoffe also, Sie finden meine Frage nicht unhöflich, aber könnte ich ihn nicht bei Ihnen in Nürnberg vorbei schicken oder wäre es möglich, dass ihn jemand hier abholt? (Dann könnte ich das Auto hier behalten, das wäre praktisch.)

Sehen Sie es als eine Art Leihgabe. Spieler leiht man sich als Bundesliga-Club ja auch manchmal aus, warum nicht auch mal einen Fan leihweise am Valzener Weiher unterbringen, mit den Spielern bekannt machen, dem Trainerstab, der schlechten Laune den Wind aus den Segeln nehmen, vielleicht mit ein paar anderen Fans am Trainingsgelände Dampf ablassen – mittrainieren lassen! Wär das nicht was! (Aber Vorsicht, er kommt schnell aus der Puste, anfangs besser nur leichter Dauerlauf, wenn das möglich wäre.) Also, ich bin ja ganz beseelt von dieser Idee, Sie nicht auch?

Ich kann Ihnen versichern, Sie bekommen einen Fan der Extra-Klasse, Regionalliga-erprobt, Stadion-versiert, der geht mit Ihnen und dem Club überallhin, der schöpft immer wieder Hoffnung, der gibt jedem Trainer eine Chance, und, das möchte ich extra betonen: Der hat noch nie auch nur ansatzweise von „Bader raus“ gesprochen. Nein, wirklich nicht. Ganz im Gegenteil: Der hält Ihnen, gerade Ihnen mindestens so sehr die Treue wie dem Club. Und der steht immer wieder auf. Wie oft hat er schon davon gesprochen, es sei jetzt genug, keine Lust mehr, lieber kein Verein und so weiter. Und dann doch noch am gleichen Abend auf Nordbayern.de wieder gelesen, wie das Training am Morgen war. Da machen Sie nichts falsch, wenn Sie den ein paar Tage nehmen und wieder auf bessere Gedanken bringen. Sehr helfen würde ein Sieg am Mittwoch. Aber wem sag ich das!

Es ist nun auch nicht so, dass ich diesen Fan der Extra-Klasse unbedingt los werden möchte, aber, wenn ich ehrlich sein darf: Ich kann diese schlechte Laune nicht mehr ertragen. Drei-null gegen Karlsruhe und die ganze Woche ist im Eimer! Da kann ich noch so viel Stracciatella-Joghurt kaufen und die Kinder hübsche Fußball-Bilder malen lassen, es entlockt ihm nur ein müdes Lächeln.

Um es kurz zu machen:
Der V. möchte bitte aus der Zweiten Liga abgeholt werden.

Herzlichen Dank für Ihre Mühen und die allerbesten Grüße.

Und natürlich viel Glück morgen gegen Heidenheim!

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