Archiv für den Monat: Oktober 2014

Ole Ole Ole

Martin Bader hat sich noch nicht bei mir gemeldet. Aber nach diesem Spiel da in Dings…

Jedenfalls bin ich auch gerne bereit, den V. selbst und unaufgefordert in Nürnberg vorbeizubringen.
Vielleicht kann ihn da auch jemand beraten, wie man seinen Kindern beibringt, dass man ihnen nicht unbedingt den falschen, aber einen eher erfolglosen Verein ausgesucht hat. Und wie man sie davon abhält, sich irgendwann einem anderen zuzuwenden.

Obwohl es uns schon stolz macht, dass das mit der Konditionierung bis  jetzt so gut funktioniert!

Kommt das Fräulein aus dem Kindergarten und sagt:

„Boah, auf der Schaukel rufen immer alle Kinder ‚FC Bayer Ole‘ – das nervt total!“

(Das „Ole“ betont sie dabei wie den norddeutschen Männernamen, das nur am Rande)

Ich: „Und was machst du dann?“
Fräulein: „Dann ruf ich natürlich ‚1. FC Nürnberg Ole‘!“

Mit feuchten Augen ruft der V.: „Wir sind der…

„CLUB!!!“ schreit das Fräulein und der Stürmerstar klatscht dazu begeistert, aber der beklatscht auch Gegentore, Differenzieren ist noch nicht so seins.

Dann stimmen Vater und Tochter noch „Wir würden nie zum FC Bayern gehen“ von den Toten Hosen an und für einen kurzen, glücklichen Moment denkt keiner an Darmstadt.

Und ich?
Ich denke an Bochum. Ich denke an Frank Goosen und sein sehr wunderbares Buch Weil Samstag ist.
(Und es ist nicht nur so wunderbar, weil seine Frau aus Nürnberg kommt.)

Im letzten Kapitel fragt sein Sohn:

„Du Papa, wie oft war der VfL Bochum eigentlich schon Deutscher Meister?“ So war der Papa zum letzten Mal ins Stammeln gekommen als er die Mama kennenlernte. „Tja, äh, also, da muss ich mal nachdenken, also, wenn ich ehrlich bin, äh, keinmal.“ Das Kind erbleichte. Und schob gleich die nächste Frage nach: „Und der FC Bayern?“

Und Goosen antwortet:

„Na ja, also, das ist äh, eigentlich nicht, aber offiziell dann doch, also irgendwie dann unverdient doch so…“ Papa senkte die Stimme und flüsterte: „…so um die zwanzig Mal.“

Ich sehe dieses Gespräch auch auf den Vater meiner Kinder zukommen.

Noch versteht es die Tochter auf unglaublich nonchalante Art, kleine Bayern-Fans auf dem Spielplatz zu provozieren. Aber wie lange noch? Das Kind kennt den Zahlenraum bis 30, es weiß sehr wohl, dass neunmal Deutscher Meister weniger ist als so um die 20 Mal Deutscher Meister (ich werd jetzt nicht recherchieren, wie oft die Bayern schon Meister waren).
Nein, das Kind ist nicht blöd, es kann sich wahrscheinlich auch schon jetzt zusammenreimen, dass 1969 echt lange her ist.

Und ich höre eins der Kinder schon fragen: „Papa, aber da warst du wenigstens schon auf der Welt, oder?“ (Sie werden ein sehr gepresstes „Nein“ als Antwort bekommen.)

Aber noch ist alles gut. Noch klettert das Fräulein mit der besten Freundin auf die Schaukel im Zoo, und als die Freundin „FC Bayern Ole“ anstimmen will, wird das gleich unterbunden. „Wir rufen jetzt ‚1. FC Nürnberg Ole'“ höre ich meine Tochter soufflieren und die Freundin stimmt begeistert ein.

Ich hab das auf Video.

Der Vater der Freundin ist Fan vom VfB Stuttgart. Aber das nur so am Rande.

(Zitate aus Frank Goosen: „Weil Samstag ist“, Verlag Eichborn, Frankfurt am Main, 2008)