Archiv für den Monat: August 2013

Unterhaching, oder: Wie damals in Barcelona

Der V. und ich sind nicht unbedingt dafür gemacht, Fußballstadien, egal welcher Größe, egal in welchem Land, auf Anhieb zu finden.

Das zeigte sich schon damals in Barcelona.

Wir wollen also nach Unterhaching fahren, um uns ein Spiel des Clubs gegen die Spvgg anzusehen. Keine große Sache, ein kleines Testspiel in einem kleinen Stadion, die Kinder sollen natürlich mit. Es ist für sie das erste Mal in einem Stadion, es ist nicht das Frankenstadion, aber Spieler des FCN werden sich auf dem Rasen befinden, die Kinder werden noch ihren Urenkeln davon erzählen.

Die Kinder sind knapp drei Jahre (das eine) und neun Wochen (das andere) alt.

Das Fräulein ist mäßig begeistert von der Aussicht auf Fußball (sie kennt Fußball im Zusammenhang mit Fernsehen und will schon auf dem Sofa Platz nehmen), lässt sich aber damit ködern, dass wir S-Bahn fahren werden. S-Bahn fahren steht bei ihr hoch im Kurs, unser zukünftiger Schwiegersohn gibt täglich im Kindergarten damit an, dass er ja S-Bahn fährt. Von Baierbrunn in die Stadt. Und zurück. Das Fräulein will nach Baierbrunn fahren. Wir lassen sie in dem Glauben.

Der Stürmerstar hat noch keine Meinung und noch keine Ansprüche an Fortbewegungsmittel oder Ziel,  er weiß auch noch nichts von den Erwartungen, die da in seine Zukunft gemalt werden. Aber seinen zukünftigen Verein sollte er sich schon mal ansehen.
Im Stadion wird er mich, während die Unterhachinger Fans sehr laut den Ausgleich bejubeln, mit einem Blick ansehen, den ich als „Und was war das jetzt für eine Scheißidee, Rabenmutter?“ interpretiere.

Wie das so ist mit Kindern, ob man nun über den Brenner reist oder nach Unterhaching, wir brechen zu spät auf.
Macht nix, sagt der V. Sind wir halt erst nach dem Anpfiff da.
Als wir an der Haltestelle stehen, fallen erstmal zwei S-Bahnen aus.
Macht nix, sagt der V. Eine Halbzeit kriegen wir auf jeden Fall mit.

Wir treffen sogar andere Clubfans, noch an der Haltestelle und später im Zug, das ist irgendwie bizarr in einer Stadt wie München, wo man glaubt, in Bayern-Trikots zu ersticken. Es sind auch nur fünf Club-Fans auf dem Weg nach Unterhaching, der V. schon mit eingerechnet und man erkennt sich natürlich am Trikot. Ohne V.s Leibchen hätten uns die Jungspunde in der Bahn auch nie angesprochen, warum auch. Sie sind alle drei so um die 14, einer total übermotiviert mit Fotoapparat und von Kopf bis Fuß im Fandress, ein Gemäßigter mit Schal, und ein blasierter Blonder, der aussieht wie Draco Malfoy und sich weigert, irgendwelche Fan-Sachen auch nur zu berühren.

„Fahren Sie auch zum Club?“, ruft der Übermotivierte dem V. zu und ist kurz vorm Hyperventilieren. Für mich hat er einen irritierten Blick, als frage er sich, wie dem V. die Frau, das Kleinkind und das Baby wohl zugelaufen sind.

Ich lese auf Twitter, dass das Spiel 15 Minuten später angepfiffen wird, weil die Club-Mannschaft im Stau stand und hoffe, mir mit dieser Info zumindest beim kleinen Malfoy etwas Respekt zu verschaffen. Weit gefehlt, niemand hört mir zu. Vielleicht sind sie ja in einem Alter, in dem jede Regung eines weiblichen Wesens erfolgreich ausgeblendet wird – es könnte sich ja um eine Lehrerin handeln, die was zu binomischen Formeln wissen will, oder, noch schlimmer, die eigene Mutter, die einen auffordert, nach sechs Tagen doch mal die Socken zu wechseln. Und um Mädchen wird ja eh noch ein großer Bogen gemacht.

Als wir die S-Bahn endlich verlassen ist es fast halb fünf und unerträglich heiß. Die Jungspunde spuren auf einen Mann zu, der irgendwie einheimisch aussieht und was von „rechts rum“ und „an der großen Straße entlang“ sagt. Sie winken uns noch übermütig zu (na ja, Malfoy nicht) und verschwinden nach rechts.

„Da“, sag ich zum V. „Zum Sportpark geht es links, ich seh schon das Schild.“
Er ist skeptisch. „Der Typ hat doch gesagt, rechts rum.“
„Aber hier ist doch das Schild.“
„Aber der Typ… Und die Jungs, schau, da vorne laufen die…“

Ich weiß nicht, seit wann wir zwielichtig aussehenden Unterhachingern und hyperventilierenden 14-Jähirgen blindlings folgen, aber bitteschön. Ich weiß, mir wird sich auf dem Rückweg noch die Gelegenheit zu Rechthaberei bieten, also gut, rechts rum.

Wir laufen. Wir fragen nochmal. Wir laufen an einer sehr breiten, sehr stark befahrenen Straße entlang. Wir suchen den Himmel ab nach Flutlichtmasten, die irgendwo aus dem Häusermeer ragen, aber es dauert sehr lange, bis wir sie sehen. Sie scheinen kleiner als Flutlichtmasten anderer Stadien.
Bis dahin schlurfe ich genervt und schwitzend hinter V. her, der wiederum versucht, nicht genervt zu sein, um sich die Freude auf den Nachmittag nicht zu verderben.

Eine gefühlte Ewigkeit und einige Gedanken an Scheidung später, stehen wir wirklich vor dem Unterhachinger Stadion, irren noch etwas herum – wo sind die Eingänge, welchen nehmen wir, wo stellen wir den Kinderwagen ab.
Schließlich sitzen wir auf roten Plastikschalen, die erste Halbzeit ist fast zu Ende das Fräulein nuckelt beglückt an einer Flasche mit Apfelschorle und es kommt tatsächlich so etwas wie Feierlichkeit auf. Der Club führt 2:1.

Bei diesem Ergebnis wird es nicht bleiben, denn jetzt bin ja ich anwesend, da bricht der Club gerne mal  ein. Bald schießt Unterhaching den Ausgleich.

Immerhin bleibt Zeit für Historisches: Raphael Schäfer hält tatsächlich einen Elfmeter. Dafür haben sich die Strapazen dann wirklich gelohnt.

Der Rückweg zur S-Bahn ist ein sehr schöner Spaziergang durch grüne Wiesen, er endet an dem Schild, auf dem „Zum Sportpark“ steht.

Die schreckliche fußballfreie Zeit…

…sie hat heute ein Ende! Alles auf Anfang, Neustart, wir drücken strg+alt+entf und steuern direkt auf die Meisterschale zu! Nun ja. Zumindest vergessen wir das DFB-Pokal-Debakel vom vergangenen Sonntag. Abgehakt. Wir wollten uns doch eh auf die Bundesliga konzentrieren, Nebenschauplätze stören da nur.

Und weil ab morgen alles wieder auf Anfang geht, geht’s auch hier endlich weiter. Ich entschuldige mich für fast zwölf Blog-freie Monate und gelobe in dieser Saison einen Eintrag pro Woche. Ich hab doch Zeit, Elternzeit. Unser Fanclub hat sich nämlich am 33. Spieltag der letzten Saison schnell noch um ein Mitglied erweitert und ich darf stolz verkünden, dass sich der zukünftige Stürmerstar des 1. FC Nürnberg in unserer Mitte befindet!

Die Meisterschaft 2032/33, sie ist gerettet!

Doch bevor Zeitreisen möglich sind – kümmern wir uns erstmal um die Saison 2013/14. Wie schon im vergangenen Jahr, hier der Bundesliga-Fragebogen (via Anke Gröner) – der V. war recht wortkarg, musste nebenbei „Die Unbestechlichen“ gucken.

Dein Verein heißt:

1. FC Nürnberg.

Wie lautet das offizielle Saisonziel, sofern es bekannt ist?

Mir ist nichts bekannt, aber ich tippe mal: Bloß nicht absteigen, bloß um die Relegation rumkommen. Und wenn’s gut läuft, einen Platz in der ersten Tabellenhälfte halten. Und wenn’s wirklich gut läuft, größenwahnsinnig werden und von der Euro-League träumen (heißt doch jetzt so, oder?).

V. sagt: 40 Punkte. Highlights setzen. (Er hat sich nicht unbedingt was neues ausgedacht.)

Wie lautet DEIN Saisonziel für deinen Verein?

Nicht größenwahnsinnig werden.

V. sagt: Europa-League.

Welchen Spieler hätte deine Mannschaft in der Pause lieber nicht abgegeben?

Almog Cohen. Weil ich den mochte.

V. sagt: Timmy Simmons. (Weil der einfach cool ist. Alt, aber cool.)

Welchen Spieler hätte deine Mannschaft besser verkaufen sollen?

Muss ich passen und zugeben, dass ich zu wenig Ahnung habe. (Der V. schimpft ja schon öfter über Pinola, aber der ist ja fast schon ein Club-Urgestein, den kann man doch nicht einfach verkaufen.)

V. schweigt.

Wen hätte deine Mannschaft diese Saison lieber NICHT gekauft?

Da Martin Bader selten was falsch macht, sage ich mal: passt alles. Es war zumindest schon lange kein Fehlgriff à la Charisteas dabei. Obwohl: Pogatetz? Jetzt echt? Weil jetzt alle einen Österreicher haben?

V. schweigt.

Wer von den neuen Spieler wird deiner Mannschaft am besten helfen?

Ginczek. Aber sowas von.

V. sagt: Ginczek.

Wie wirst du in dieser Saison deine Mannschaft unterstützen?

Brav mit Mann und Kindern vor der Glotze – zum Glück darf die Telekom noch Fußball zeigen, sonst wären wir längst bei der Konkurrenz. (Oder V. oben beim Nachbarn, die haben Sky.)

Wie findest du das neue Trikot deiner Mannschaft?

Schlicht und schön. Und der Sponsor, mei. Der hat halt so große Buchstaben.

V. sagt: Super.

Welcher Stürmer wird die Torjägerkanone holen?

Ach, die goldene Ananas? Mir egal, wenn’s kein Bayer ist. (Wie kam ich eigentlich letztes Jahr auf Marco Reus?)

V. sagt: Lewandowski.

Welcher Trainer wird als erstes gefeuert?

Der Pep. Davon bin ich überzeugt. Ich sag nur: Klinsmann-Effekt. Ich hab deshalb auch mit dem V. gewettet. Um einen Kasten Bier.

V. sagt: Thorsten Fink. (Daran hat sich der HSV letztes Jahr auch schon nicht gehalten.)

Welche Mannschaft wird das erste Tor schießen?

Ist doch wurscht. Hauptsache, es geht los.

V. sagt: Bayern.

Welche Mannschaften SOLLTEN absteigen?

Ehrlich? Ist mir egal, jetzt wo Fürth wieder zweite Liga spielt.

V. sagt: Hoffenheim. Braunschweig. Hannover.

Welche Mannschaft wird Meister?

Was Überraschendes wär schön – also nicht Dortmund oder Bayern. Aber da’s im Fußball immer weniger Überraschungen gibt: Dortmund oder Bayern.

V. sagt: Bayern.

Wenn du nicht im Stadion bist, wo wirst du die Spiele schauen?

Unwahrscheinlich, dass ich diese Saison ins Stadion komme. Also daheim auf’m Sofa. Oder ich höre sie im Auto, natürlich auf Bayern1.

Wie sehr vermisst du die Bundesliga auf einer Skala von 1 bis 10 – wobei bei 1 so ziemlich keien Tröne nach der Bundesliga verdrückt wird und 10 quasi bedeutet, dass du ernste Entzugserscheinungen hast?

3. Nach dem ganzen Getue zwischen Dortmund und Bayern war ich diesmal echt übersättigt. So ein bisschen Pause war schön. Aber jetzt ist auch gut, dass es wieder los geht.

V. sagt: 10.