Archiv für den Monat: April 2012

Champions League, total interaktiv

Früher hätte ich an einem Abend wie gestern folgendes getan:
– V. verabschiedet, der sich das Bayern-Spiel in der Kneipe nebenan anschauen wollte.
– Noch mal blöd gefragt: Wer spielt? Aha. Champions League? Soso. Schon Halbfinale? Tschüß.
– Bisschen Küche aufgeräumt.
– Bisschen gebügelt.
– Bisschen Nägel lackiert.
– Die letzte Folge von Grey’s Anatomy im Internet nachgeguckt.
– Bisschen bei Facebook geschaut.
– Bisschen gelesen.
– V. begrüßt, der mir von einem krassen Spiel erzählt und unsympathischen Bayernfans. Aha. Soso. Gute Nacht.

Aber mit etwas Fußballwissen und dem Anspruch, informationsmäßig völlig auf der Höhe zu sein, war das so:
– V. verabschiedet. Kind ins Bett gebracht.
– Noch schnell Küche aufgeräumt, Pizza in den Ofen getan.
– Fernseher genau rechtzeitig angemacht, um Jupp Heynckes rote Birne zu betrachten.
– Internet angemacht.
– Twitter angemacht.
– 11 Freunde-Liveticker angemacht.
– Versucht, selbst was bei Twitter zu posten. Kam mir dann zu banal vor.

(Ich bin ja sehr langsam mit neuen Entwicklungen, wahrscheinlich langsamer als meine Oma. Ich find alles erstmal blöd. Digitalkameras, Laptops, Facebook, Smartphones, Twitter. Dann kann ich nix damit anfangen. Dann mache ich auf „Retro-Alte-Werte-Mich-Kriegt-Ihr-Nicht“. Dann haben/benutzen alle dieses neue Ding. Dann will ich es ganz dringend auch. Und bin sehr bemüht, mir nicht anmerken zu lassen, wie NEU das alles für mich ist. Ich meine: Twitter!!! Meine Oma macht das wahrscheinlich schon längst.)

Fazit:
– In der ersten Halbzeit bin ich total überfordert. Ich lese Banalitäten im Twitter-Stream, schaffe es nicht, gleichzeitig auf den Fernseher zu schauen und erfahre erst bei 11 Freunde, wie spannend das Spiel eigentlich ist. Natürlich verpasse ich das 1:0. Bin aber schon geplättet, wie gut die Bayern spielen. Die Pizza wird kalt.
– In der zweiten Halbzeit klappt es schon besser. Ich esse die Pizza auf, mache mich an die Bügelwäsche, schaue nur noch alle 10 Minuten in den Stream und den Ticker und heule mich dafür bei Facebook aus. Dann schaffe ich es sogar, mir noch die Nägel zu lackieren und ein bisschen was vom Spiel zu gucken.
– Poste noch eine Banalität über Ronaldos Schuhe.
– Begrüße V., der mir vom krassen Spiel und den unsympathischen Bayernfans erzählt.
Gute Nacht.

Sprachkurs

Das Fräulein spricht schon recht viel. Also eine ganze Menge für ihre 18 Monate, finde ich. Auch Fünf-Silber wie „Feuerwehrauto“ sind ab und zu schon drin.

Aber ein Wort will ihr nicht über die Lippen.

„Sag mal Club“, bittet der V.

„Bus.“

„Nein, Club.“

„Bus.“

„C-L-U-B.“

„Bus.“

„Glubb.“

„Bus.“

„Club! Club!“

„Feuerwehrauto!“

Pubertäre Champions League

Die coolen Jungs sind ja auch nicht mehr das, was sie früher waren.
Zumindest haben sie keine Ahnung von Fußball.

Heute in der S-Bahn.
„Gegen wen spielt Barcelona eigentlich?“
„Weiß nich. Und die Bayern?“
„Inter Mailand.“

Ich möchte über die zwei Sitzreihen, die uns trennen, springen, ihm den Pony aus dem Gesicht klappen und schreien: „Chelsea!!! Real Madrid!!! Bitte sag, dass du das nur nicht weißt, weil du dich mehr für Altgriechisch interessierst!“

Aber so sieht er nicht aus.