Archiv für den Monat: Mai 2010

Der Relegationsfernseher

Um auch wirklich keine Sekunde der Relegation zu verpassen, kutschierten wir also vor zwei Wochen unseren Fernseher durch halb Deutschland.

Nicht, dass unser Fernseher besonders toll wäre – er ist fast zwölf Jahre alt und weigert sich, kaputt zu gehen. Ich habe mal die Losung ausgegeben, dass V. erst einen neuen, flachen, riesigen Fernseher anschaffen darf, wenn der gegenwärtige die Bildröhre ausknipst. Mutwilliges Zerstören gilt nicht.
Mittlerweile bin ich natürlich schon ein wenig weich gekocht und habe selbst nur noch nichts zur mutwilligen Zerstörung beigetragen, weil man ja spätestens ab dem 6. Monat nicht mehr so schwer heben darf. Den V. wiederum schützt seine Überforderung mit dem Angebot an schicken Flachbildschirmen bislang vor dem Kauf eines solchen.
Wir kutschierten den alten Fernseher also zur Verwandtschaft nach Hessen – die zwar ein Gerät besitzt, aber nur ein kleines – sahen dort das Hinspiel, kutschierten den Fernseher wieder zurück in den Süden, sahen zu Hause das Rückspiel.
Waren erleichtert. Wollen diesen Nervenkitzel nächstes Jahr bitte nicht noch einmal erleben. Auch nicht auf einem Flachbildschirm mit 37 Zoll.

34. Spieltag. Köln.

Ich: Das dauert schon lange, bis das Kind kommt. Noch fast fünf Monate.

V: Find ich nicht. Das geht ganz schnell.
Ich: Wieso?
V: Überleg doch mal. In vier Wochen ist WM. Dann noch mal vier Wochen, schwupp, ist die WM rum. Und dann nochmal acht Wochen, und das Kind ist da. Das ist doch nix!
Heute abend ist erstmal Relegation und für unser Kind entscheidet sich, ob es in der ersten oder der zweiten Bundesliga zur Welt kommt. Wann, spielt dann gar keine so große Rolle mehr.

33. Spieltag. Hamburg.

Während der Club in Hamburg untergeht, besuchen wir eine Hochzeit in Köln. Als wir uns dort nachts um zwei verabschieden, klopfen alle dem V. auf die Schulter und sagen, dass sie an den Club glauben.

Wer an den Club glaubt, glaubt auch, dass Hannover und Bochum am Wochenende unentschieden spielen und der Club gegen Köln gewinnt. Dann ist der Klassenerhalt gesichert, hat mir V. gestern vorgerechnet. Er hat mir auch vorgerechnet, was bei den ganzen anderen Konstellationen passiert, aber das hab ich wieder vergessen.

Apropos Köln. Die könnten uns ja auch gewinnen lassen. Hat doch Mönchengladbach mit Hannover auch so gemacht. Und Hamburg mit Hoffenheim.

J. schlägt vor, das Neu-Mitglied gleich bei einem „gescheiten“ Verein anzumelden, zum Beispiel Köln oder Bielefeld. Ts!

Wenn der Club die Relegation schafft, muss er gegen Augsburg spielen, das ist fast so schlimm wie gegen Fürth, sagt mein Kollege. Aber nur fast.

V. hat mal gesagt, die richtig tollen Dinge in seinem Leben würden dann passieren, wenn der Club in der zweiten Liga spielt.
Zum Beispiel mich zum ersten Mal küssen oder mich heiraten.
Und nun mit dem Neu-Mitglied… Ich hab nix gesagt.

Der Club wird heute übrigens 110 Jahre alt. Happy Birthday.

Neuzugang beim Club

Nach Vertragsverhandlungen und Nachrichtensperre nun auch offiziell im Blog:

Wir erweitern unseren Kreis um ein neues Club-Mitglied, von dem hier spätestens Anfang Oktober desöfteren die Rede sein wird. Bis dahin wird es wachsen, wachsen, wachsen und irgendwann zur EM-Qualifikation kommt es dann raus.
Seinem Vater macht es jetzt schon Freude, weil er weiß, dass er die WM nicht in einem Kreißsaal verbringen wird, sondern so, wie er sich das vorgestellt hat: Im Biergarten beim Nachbarn, vor der Großleinwand.
Das Neu-Mitglied wird natürlich nach Erscheinen sofort beim FCN angemeldet, da ist die Mitgliedschaft bis zum 6. Lebensjahr umsonst. Danach muss es sich entscheiden, sagt V., oder es wird enterbt. Bei uns kann es mindestens bis 18 für umsonst bleiben.
T. ist überzeugt, dass das Neu-Mitglied ein FußballER ist, mein Vater hofft (weil seine Kinder höchstens Schildkröten Sympathien abgewinnen können) auf „einen Tierfreund“. Das Neu-Mitglied selber verrät noch nix.
Im Ultraschall hat das Neu-Mitglied sehr schöne Füße und definitiv keine Fußfehlstellung. Fußballerisches Talent ließ sich aber noch nicht erkennen. Gewunken hat es auch schon.
Ich nehme an, es lässt schön grüßen.