Archiv für den Monat: Februar 2009

Montagsspiel

Manchmal muss man sich entscheiden, zwischen Fußball und Frau. Aber das ist nicht schlimm. Warum?

Frau: (Kommt nach einem 12-Stunden-Tag verfroren und ausgehungert nach Hause, lässt sich schwer in den Sessel fallen und möchte gerade nach einer Wärmflasche und einer Fußmassage verlangen als…)
Mann (angespannter Blick in Richtung Fernseher): Essen ist in der Küche, kannst’s dir aufwärmen.
Frau (folgt seinem Blick): Ach so, 83. Minute. (schaut kurz weg, schaut wieder hin) 3 zu 0??? Für den Club???
Hinterher sagt Marek Mintal übrigens wieder, was er immer sagt: „Ist gut für Mannschaft, ist gut für Club.“ Wer will da noch Essen aufwärmen, wenn wir daheim gegen Kaiserslautern gewinnen.

Es gibt ein Leben nach dem Club

Ein Samstagabend im Februar. Sportschau. Stuttgart gegen Leverkusen.
Mario Gomez schießt ein Tor. V. und ich sind perplex.
Mario Gomez schießt noch ein Tor. V. und ich sind sehr perplex.
Kurz vor Schluss wird Angelos Charisteas eingewechselt. Am letzten Transfertag war er noch schnell zu Leverkusen gezogen, nachdem er beim Club nicht wirklich wusste, wo er mit dem Ball hin sollte.
V: Wirst sehen, gleich macht er ein Tor.
90. Minute. Charisteas nimmt dem Ball, überlegt kurz, was er damit soll, folgt einer schnellen Eingebung und schießt ihn ins Tor. 
Leverkusen verlor trotzdem.

Was Wagner und Bukowski mit der Rückrunde zu tun haben

Es gibt Menschen, die hören Musik über sehr große Kopfhörer. Sie sind meist mittleren Alters, tragen schwarze Rollkragenpullis, und sind, wie ihre Einrichtung und vor allem die weißlackierten Bücherregale vermuten lassen, sehr kunstinteressiert (Schallplatten, Holzgeschnitztes aus Afrika etc.) und belesen (beim männlichen Vertreter dieser Spezies: natürlich viel Bukowski).

Sehr belesene Menschen besitzen grundsätzlich weißlackierte Bücherregale. Manchmal habe ich den Eindruck, der Kauf eines herkömmlichen Billy-Modells in weiß adelt einen schon zum Intellektuellen. 
Unser Billy ist Birke-Furnier, Bukowski steht keiner drin, wird auch nie.
Diese Menschen in den schwarzen Rollkragenpullis vor den weißlackierten Billyregalen hören meist Wagner-Opern oder sehr, sehr abgefahrenen Free-Jazz über ihre überdimensionierten Kopfhörer. 
Häufig haben sie dabei die Augen geschlossen, den Kopf leicht in den Nacken gelegt und den Mund zu einem dünnen, konzentrierten Strich verzogen.
Genauso sah V. am Freitagabend aus und ich hätte ihm im Schlussverkauf fast noch einen schwarzen Rollkragenpulli gekauft und unseren Billy umlackiert.
Bis V. plötzlich und schmerzverzerrt die Mundwinkel nach unten verzog und ein wütendes „Pfosten!“ hervor stieß.
War halt doch keine Wagner-Oper, sondern Augsburg gegen Nürnberg zum Rückrundenauftakt. Übers Internetradio.