Archiv für den Monat: November 2008

Empfang (2)

Die Handwerker sind fertig, die Anschlüsse gelegt, jetzt brauchen wir noch einen Receiver. Über die Vermieterin kann man wohl einen bestellen. Wollten wir eigentlich auch so machen. 

Dachte ich.
Bis V. sagt: Wir sollten darauf achten, dass der neue Receiver auch einen Slot für eine Pay-TV-Karte hat.
Ich: ?
V: Falls man mal Premiere haben möchte.
Ich: Aber warum sollte man denn Premiere wollen?
V: Man könnte dann zum Beispiel D. einladen und ein bisschen Bundesliga-Konferenz schauen.
Ich: Ich glaube nicht, dass man das möchte. Dann geht man ja gar nicht mehr aus dem Haus. Bundesliga kann man doch auch nebenan in der Kneipe schauen.
V: Aber die zeigen doch nur Bayern-Spiele!!!
Es entspinnt sich ein kleiner Streit darüber, ob man jetzt wirklich Premiere braucht. Halbherzig lasse ich mich davon überzeugen, dass es sich dabei nicht um ein richtiges, kostenspieliges Abo handeln würde, sondern eher um das Abonnement einzelner Spiele. Man hat das natürlich alles längst im Internet recherchiert.
Ok. Dann macht man das halt. Fehler. Denn ab dieser Stelle denkt man gleich weiter.
V: Natürlich wäre dann ein Receiver mit Festplatte noch viel besser. 
Ich: Warum?
V: Dann kann mann aufnehmen, was man schauen möchte und es dann ohne Werbung schauen.
Ich: Aber so viel Fernsehen schauen wir doch gar nicht.
V: Praktisch wäre es auch, wenn ein Kind da wäre. Angenommen, das schläft um 20.15 Uhr noch nicht – so ist es zum Beispiel bei D. – um 20.45 Uhr aber schon. Verpasst man immer den Anfang von einem guten Film. Kann man mit dem Receiver aufnehmen und einfach ab 20.45 Uhr gucken. Kostet halt 300 Euro.
Ich: Aber wir haben doch gar kein Kind!

Empfang (1)

Montagmorgen, 7.30 Uhr, es klingelt an der Tür.

Davor stehen zwei Handwerker. Der eine hat eine Glatze, der andere trägt ein bayerisches Trachtenmützerl und spricht mit polnischem Akzent.
Sie installieren gerade eine Satellitenanlage im Haus, dafür müssen sie in jeder Wohnung Löcher bohren und Kabel verlegen. V. führt durch unsere Wohnung, rückt Möbel zur Seite, zeigt Anschlüsse, fachsimpelt. Bejaht die Frage, ob wir einen Receiver brauchen. Händigt den Handwerkern einen Schlüssel aus.
Die bedanken sich und setzen ihre Runde bei unseren Nachbarn fort.
V. schließt die Tür hinter ihnen mit einem breiten Grinsen.
„Ist das nicht wunderbar?“
Ich bin kurz verwirrt. Was ist denn so wunderbar an einer Satellitenanlage? Der DVBT-Receiver hat’s die ganze Zeit doch auch getan.
„DSF!!“ ruft V. „Die Montagsspiele live!!! Wahnsinn!“
Wie reagiert die vorbildliche Ehefrau?
Sie zaubert ein warmes Lächeln auf ihr Gesicht und sagt:
Ich bin glücklich, wenn du glücklich bist.

Leidenschaft

Plötzlich drückt er mir einen Kuss auf die Lippen und ich denke noch, sind sie nicht schön, diese überraschenden Liebesbeweise aus dem Nichts, einfach so, ist das nicht schön verheiratet zu sein, alles richtig gemacht mit diesem Mann…

…da sagt V: Wir führen Eins-Null!
Und ist schon wieder weg.