Archiv für den Monat: September 2007

Wie werde ich Fußballgöttin – Lektion 1

Merke: Nicht dumm fragen, sondern klug feststellen.

Beispiel: Länderspiel Deutschland – Rumänien. 2. Halbzeit, beim Stand von 1:1 macht sich David Odonkor am Spielfeldrand warm.

V.: Was soll denn das? Der wechselt doch nicht den Odonkor ein! Der kann doch nix!

Ich: Weiß gar nicht was du hast, der war doch voll super bei der WM.

V.: Ach. Jetzt sitzt er da in Dings… na, Spanien und man hört nix von ihm.

Ich: Aber er rennt doch so schnell. Kommt über die Seite und – zack – Tor.

V.: Ach. Die paar Mal.

(In dem Moment rennt David Odonkor über die Seite an allen Rumänen und eigenen Männern vorbei und schießt das Tor zum 2:1)

V. schweigt.

4. Spieltag: Abstiegsplatz

V. hat in den vergangenen Tagen zwei Sätze von sich gegeben, die ich hier mal analysieren will.

Satz 1 (vor dem Spiel gegen Cottbus am vergangenen Samstag): „Ich wünschte, ich wäre kein Fußball-Fan.“

Ich versuche, mir das vorzustellen. Es gelingt mir nicht.
Würde ich V. morgens den Feuilleton rauslegen statt des Sportteils?
Würde er statt Fußball-Fakten seine Meinung zur neuen Wagner-Inszenierung in Bayreuth abliefern?
Läge ein Golfschläger im Auto statt eines Liverpool-Schals?
Und vor allem: Was wäre mit den Samstagen? Keine Nachmittage, an denen ich entspannt zum Yoga gehen kann, weil V. ja keine Zeit hat. Weil er nassgeschwitzt am Radio klebt oder mit einem MP3-Player durch den Zoo läuft (alles schon vorgekommen).
Ich kann mir das nicht vorstellen, ich will es nicht.

Satz 2 (als ich frage, ob wir am Samstag das Länderspiel gucken): „Du bist doch eigentlich Fußbalhasserin.“

Nein, bin ich nicht. Als Fußballhasserin wäre ich nicht soweit gegangen, V. die Ehe zu versprechen. Als Fußballhasserin würde ich nicht diese Zeilen schreiben und V. und ich würden uns höchstens flüchtig kennen. Ein Leben als Fußballhasserin wäre einfach, genauso einfach wie das als überzeugter Fan. Aber Extreme sind was für Schlaffis, die nicht mit den Nuancen und Grautönen umgehen können, die sich nicht auf die innere Zerrissenheit des Sowohlalsauch einlassen wollen.

Mein Problem ist: Ich leide mal mit, und mal ist mir der Club egal. Das geht leider nicht immer konform mit V.s aktueller Seelenlage den Club betreffend. Vergangenes Wochenende war’s mir eher egal, kommendes muss ich mich glücklicherweise nicht entscheiden, wegen des Länderspiels.

Immerhin hat sich der Club am 4. Spieltag meinen Tipp zu Herzen genommen und fast gewonnen. Weil er in Radio und TV hochgelobt wurde ist der

Spieler des Tages: Jaromir Blazek

Was ich über ihn weiß: Er wird Raphael Schäfer nie ersetzen können.

Wie V. ihn findet: Im Spiel gegen Karlsruhe: schlecht. Mittlerweile hat sich Blazek aber schon ein wenig angestrengt und V. lässt sich vielleicht noch überzeugen.

Warum Spieler des Tages? Muss gegen Cottbus echt gut gewesen sein.

Weitere Fakten: Jaromir Blazek ist zweiter Torhüter der tschechischen Nationalmannschaft und schon ganz schön alt (35), was bei Torleuten aber ja keine Seltenheit ist (siehe auch: Gott).