Archiv für den Monat: August 2007

3. Spieltag: Niedergestreckt

V.s Kommentar nach dem Spiel gegen Bremen: „Kannst wieder mit ins Stadion, die verlieren auch ohne dich.“

Danke Club, dieser Komplex wäre damit ausgeräumt. Ich bin also einigermaßen erleichtert, V. verärgert. Es war das alte Spiel – der Club spielt besser, verliert aber trotzdem. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Dafür bin ich eben auf volles Risiko gegangen und habe in der unternehmensinternen Tipprunde gegen Nürnberg getippt. Fußballgott, verzeih mir! Aber ich glaube ganz fest daran, dass Nürnberg jetzt erst recht gegen Cottbus gewinnt. Sozusagen aus Trotz, weil ich vorgebe, nicht an sie zu glauben. Zumindest auf dem Tippschein.

Doch das ist Zukunftsmusik, vorher wollen wir den 3. Spieltag abschließen mit dem

Spieler des Tages: Ivan Saenko

Was ich über ihn weiß: Er ist Russe.

Wie V. ihn findet: Wollte, dass er Spieler des Tages wird, weil „wenn er schon nicht durch guten Fußball auffällt, dann wenigstens dadurch, dass er einen Bremer niederstreckt.“ Man muss dazu sagen: Das ist sonst nicht Ivans Art. Meistens grinst er sehr viel und zaubert mit seinen Beinen.

Warum Spieler des Tages? Wer sagt, dass man tolles geleistet haben muss, um in diese Rubrik zu kommen? Böse Fouls gehen manchmal auch.

Weitere Fakten: Ivan ist 23 und war in der vergangenen Saison vereinsinterner Torschützenkönig. Sein Vater trainiert den russischen Frauenfußballmeister FC Energie Woronesch.

2. Spieltag: Erleichterung

Samstagabend 23 Uhr, es läuft „Das aktuelle Sportstudio“, die Brille hängt mir quer übers Gesicht, meine Augen sind geschlossen und ich befinde mich kurz vorm Tiefschlaf.

Da flüstert mir V. ins Ohr: „“2:1 gewonnen, alles wieder gut!“

Was war V. nicht tapfer gewesen an diesem Samstag, den wir ausnahmsweise in Regensburg verbrachten. Nach außen gab er vor, nur mir zuliebe natürlich, an diesem Tag nichts von Fußball wissen zu wollen. Kein Spielstand, kein Ergebnis, nichts. Nürnberg? Spielen die da Fußball?

In Wahrheit war es kein der Romantik geschuldetes Desinteresse.
Sondern die nackte Angst, schon wieder so ein KSC-Debakel zu erleben. Die Zeichen standen auf Wiederholung: Auch Hansa Rostock ist erst aufgestiegen, und es hätte gut sein können, dass die sich nun gegen Nürnberg für die in München erlittene Schmach rächen wollten.

Während V. sich verweigerte, wurde ich neugierig und überlegte kurzzeitig, heimlich P. anzurufen und das Ergebnis zu erfragen, zum Beispiel, während V. auf dem Klo war. Hab ich dann aber wieder vergessen.

Umso größer war V.s Erleichterung kurz vor Ende des Aktuellen Sportstudios, als wir schon drei andere Spielberichte und Dirk Nowitzki über uns ergehen hatten lassen und ich schon eingeschlafen war.

Zur Feier des ersten Saison-Sieges etabliere ich hier im Blog eine neue Rubrik, die da heißt:

Der Spieler des Tages: Tomas Galasek

Was ich über ihn weiß: Er ist schon alt (34), aber er ist wichtig (im Mittelfeld).

Wie V. ihn findet: Sein Lieblingsspieler, auch wenn wir immer alle dachten, das wären Vittek oder Mintal. Wer aufpasst weiß aber, wie oft V. Galaseks Wichtigkeit betont. Genauso oft bedauert er aber auch, dass er (Galasek, nicht V.) halt nicht mehr so schnell rennt.

Warum Spieler des Tages? Weil Tomas Galasek ein Tor gemacht hat, obwohl er für sowas a) nicht unbedingt zuständig ist und b) der Ball so „gestolpert“ war (O-Ton V.), dass er gar nicht hätte reingehen dürfen. Eigentlich hätte deshalb der Torwart von Hansa Rostock zum Spieler des Tages gekürt werden müssen, aber ich wollte diese Rubrik schon mit einem Club-Spieler eröffnen.

Weitere Fakten: Tomas Galasek ist Tscheche und wiegt laut Club-Homepage 82 Kilo.

Tippen.

Ein Beweis dafür, dass ich zum echten Fußball-Fan mutiere ist: Ich tippe.
Ein noch größerer Beweis ist: Ich tippe um mehr Geld und weitaus komplizierter als V.

Während V. einfach schnöde zehn Euro an BVB-Fan F. überweist und jeden Freitag lediglich auf Sieg oder Unentschieden setzt, spielen Kollegin T. und ich bei den ganz Großen mit:
Wir haben gemeinsam 85 Euro investiert und sind in die unternehmensinterne Tippgemeinschaft eingestiegen. Als ich erzählte was wir alles tippen müssen (Ergebnis, Halbzeitstand, gelbe Karten und wie 1860 spielt), erklärte mich V. für verrückt.

Ich erinnerte ihn an meinen grandiosen Tipp-Sieg während der EM 2004. Da hatte er einen Kasten Bier an mich verloren, weil ich beim Eröffnungsspiel verkündet hatte, Griechenland würde Europameister werden.
Ich vertraue auf meine Intuition.

Das hat am ersten Spieltag noch nicht so gut geklappt. Um Intuition geht es beim Tippen auch nicht, habe ich dann von V. erfahren und auch nicht um das, was man möchte.
Denn: „Du darfst nicht das tippen, was du dir wünschst, sondern das, was rauskommt.“

Wenn Ihr diesen Geheimtipp berücksichtigt, liebe Leser, werdet Ihr die Tippkönige. Versprochen.

1. Spieltag: Wenig ist auch nicht viel

Am Ende freute sich nur M.

Er trug einen blau-weiß gestreiften Pullover – von weitem sah er damit aus wie ein Matrose auf Landgang, aus der Nähe wie ein KSC-Fan. V. hatte sein neues Club-Trikot an und sah aus jeder Entfernung aus wie ein Club-Fan, dessen Mannschaft am ersten Spieltag vom Aufsteiger „düpiert“ worden war, so stand es zumindest am nächsten Tag in der Zeitung.

Es hatte ein grandioser Auftakt für die neue Saison hier im Blog werden sollen und ging natürlich schief. Die Lehre die ich daraus ziehe: So schnell sieht mich kein Stadion mehr von innen, schon gar nicht das in Nürnberg. Nach dem verpatzten Ligapokal-Spiel zwei Wochen zuvor hatte mich ein Kollege mit „da waren Sie wohl die Pechmarie“ aufgezogen, jetzt, nachdem der Club in meiner Gegenwart schon wieder versagt hat muss ich sagen: Ja, ich bin die Pechmarie.

Ich weiß nicht, was an meiner Anwesenheit im Stadion schlecht sein soll: Ich trage einen Schal in den Vereinsfarben, ich brülle bei „Marek Mintal“ inbrünstig ein „Fußballgott“ hinterher und springe mittlerweile bei Torchancen auch rechtzeitig und nicht zeitverzögert vom Stuhl. Ich habe kein Buch dabei, falls mir langweilig werden könnte. Ich nörgle nicht, weil ein passabel aussehender Spieler ausgewechselt wird, ich frage nicht, ob Joshua Kennedy berühmte Verwandte hat. Alles in allem: Ich mache mich als Fußball-Fan.

Der Club dankt es mir mit einem schlechten Spiel.

Einen Tag nach dem Spiel mache ich auch meine erste schmerzvolle Erfahrung als Fußball-Fan: Ein realistischer, nichts beschönigender Bericht in der Zeitung deprimiert mich zutiefst. Mehr als es V. deprimiert! Vor einem Jahr wäre mir das nicht passiert. In dem Moment finde ich die Entwicklung, die ich in den vergangenen zwölf Monaten durchgemacht habe, nicht so wirklich gut. Mir ging es besser, als der Club noch in der zweiten Liga war und mich das alles herzlich wenig interessierte.

Und V.? Hat mir natürlich gefühlte fünf Jahrzehnte als Club-Fan voraus und begegnet dem Desaster des ersten Spieltages mit großer Gelassenheit. Abwarten sagt er. Vergangene Saison hat der Club 14 Mal unentschieden gespielt. Wenn er jetzt fünf Mal verliert und vier Mal gewinnt (oder umgekehrt) wären das genauso viele Punkte. Aha. Das sollte mich beruhigen und es hätte es vielleicht, wenn ich logischer denken könnte.

Was er sagen wollte war: Am Anfang kann man schon mal verlieren. Vielleicht auch nächsten Samstag in Rostock. Aber dann… Dann wird es V. auch zu bunt. Am Sonntag jedenfalls war er gefasst. Die Nürnberger hätten sich doch ein wenig angestrengt, meinte P. Aber wenig ist eben auch nicht viel, sagte V.

Für M. hat es gereicht.

Mensch, Marco…

… Engelhardt heißt er natürlich. „Der hat doch was g’schnupft“, meinten die Herren in der Reihe hinter uns übrigens zu seiner allgemeinen Verfassung. Vielleicht, weil er soviel rumgewuselt ist, dass sogar ich ihn gesehen hab.
Weniger gewuselt ist der andere, Dominik Reinhardt, den hab ich nämlich gar nicht bemerkt. Kein Wunder, die Abwehr war ja auch schlecht bis kaum vorhanden. Trotzdem hat sich sein Name in mein Hirn geschlichen. Auch ein Weg, dort haften zu bleiben.
V. hat die Verwechslung natürlich bemerkt. Aber erst beim zweiten Lesen.