Archiv für den Monat: März 2007

26. Spieltag: Schweiß

Eigentlich mag ich Unentschieden, sie sorgen erfahrungsgemäß für ein ruhiges, fast fußballfreies Wochenende.
V. lässt die erste Halbzeit ausfallen und hört sich die zweite im Radio an. Dafür spielt der Club nur 0:0 und wird einen Tag später von Leverkusen überholt. Gut, das war blöd.

Doch V. ist abgelenkt, denn er hat einen Gutschein für ein Clubtrikot bekommen. Na ja, eher für ein Club-Kleid. Das Trikot hat laut P., einem der Schenkenden, Größe XL.
Man wird sehen, wie das aussieht.

Aus gegebenem Anlass erklärten mir V. und P., warum die Clubfarben dunkelrot und schwarz sind. Die waren nämlich, vor langer Zeit, mal hellrot-weiß, wie sich das für einen fränkischen Club gehört.

Nur dass sie es damals, in der Saison 1931/32, mit er Sauberkeit noch nicht so genau nahmen. Oder das Trikot nicht so oft wechseln konnten. Jedenfalls färbte der Schweiß die Trikots gegen Ende der Saison dunkel.

Man hat das dann gleich so gelassen. Das ist bodenständig und praktisch und es passt zum Club, keine Frage.

Wir gratulieren

Vor einigen Wochen vertrieben V. und ich uns die Zeit damit, im Internet zu schauen, wer mit uns Geburtstag hat. Es fing damit an, dass ich mich damit brüstete, dass Berühmtheiten wie Norah Jones, Jamie Cullum oder Simone Denkinger mit mir den Jahrgang teilen. Nicht zu vergessen Yvonne Catterfeld.

Dann sah V. in seinem Jahrgang nach. Es waren lauter Fußballer darunter.

Ruud van Nistelroy. Michael Ballack. Francesco Totti.

Ich habe keinen Vergleich, aber auf den ersten Blick hat das Jahr 1976 überproportional viele Sportler im Allgemeinen und Fußballer im Besonderen hervorgebracht.

Und V.

Er erklärte mir, dass er mal gar nicht so weit davon entfernt gewesen war, sich zu dieser illustren Runde zu gesellen. V. hätte nur, es mag 1984 oder 1985 gewesen sein, häufiger einen gewissen Berg mit dem Fahrrad bezwingen müssen. Auf diesem Berg fand jede Woche das Fußballtraining statt. Hätte V. daran regelmäßig teilgenommen wäre er jetzt als Nationalspieler auf dem Zenit, wie er mir erklärte, und wir hätten ein Haus am Starnberger See oder in London oder beides.

Dazu möchte ich sagen, dass T. beispielsweise diesen Berg in den 90er Jahren regelmäßig bezwungen hat, sein Name aber trotzdem nicht erscheint, wenn man bei Wikipedia „Fußballer, geboren 1984“ eingibt. Nur so viel dazu.

Den Frust über seine Altersgenossen bei Real Madrid und Chelsea hat V. bald wieder vergessen. Lieber freut er sich heute darüber, dass er den Geburtstag mit zwei Clubspielern teilt: Wir gratuliern deshalb Jan Polak zum 26. und Thomas Paulus zum 25.!

Ersterer hat immerhin schon vier Tore für den Club geschossen. Zweiterer wurde während seiner Zeit bei Erzgebirge Aue für sechs Spiele gesperrt, weil er einem Gegner absichtlich auf den Po gestiegen sein soll.

Beide haben blonde, gegelte Haare, die in der Mitte etwas nach oben stehen. Sie sehen aus wie Zwillinge. Man kann bislang nicht sagen, die 80er Jahre hätten auffällige Charakterköpfe hervorgebracht.

Jan und Thomas wiederum teilen ihren Geburtstag übrigens auch mit Prinz Albert von Monaco.

Happy Birthday.

25. Spieltag: Fußball verbindet

Es ist Freitagabend und V. muss sich zusammen reißen. Der Club spielt und was muss V. tun? Mit mir Menschen besuchen, die er nicht kennt! Pärchenabend, während es anderswo um Uefa-Cup-Plätze geht.
Ich möchte V. Freunde vorstellen, V. sagt: Wenn wir wieder zu Hause sind, muss ich aber gleich in den Videotext schauen.

Wir besuchen also Freunde von mir, essen Nudeln, verstehen uns gut. Das Gespräch kommt nicht direkt, geradewegs auf Fußball. Es landet nur irgendwie plötzlich bei Sportreportern, über die der Gastgeber einen weniger netten Kommentar fallen lässt.

V. gesteht mir auf dem Heimweg, dass er da dachte, der Abend wäre fußballmäßig gelaufen.

Dann geht alles ganz schnell. Von Sportreportern zu Fußball im Allgemeinen, zu Nürnberg gegen Frankfurt im Besonderen und schon sitzen Gastgeber und V. vor dem Laptop und hören Bundesliga Live. Spannendes Spiel, Club rettet sich mit einem Unentschieden.

Dann fachsimpeln V. und der Gastgeber über E-Gitarren und Verstärker.

„Es sind immer drei Stufen“, sagt die Gastgeberin zu mir. „Fußball, Gitarren und…“

Stufe drei fällt uns erst später ein. Computerspiele, was sonst.

Männer haben es da sehr einfach, beneidenswert. Obwohl – Frauen reden über Taschen oder Schuhe. Ist eigentlich das Gleiche.

24. Spieltag: Nie mehr erste Liga

V. und ich gehen heute abend ins Kabarett. Aus diesem Anlass spielten wir ein kleines Spiel. Ich sage etwas, V. antwortet – aber antwortet er auch richtig?
Ich: Also dann um sieben.
(Im Radio läuft gerade eine Ankündigung für das Champions League Spiel Bayern München – Real Madrid)
Ich: Oh, da verpasst du ja Fußball heute abend.

V: Ist schon ok.

Diese Antwort war falsch. Die richtige Antwort müsste lauten: Ach, da reicht mir der Spielbericht morgen im Internet.

Oder so ähnlich.

In den vergangenen Wochen habe ich mir desöfteren gewünscht, der Fußballverein, dessen Namen ich jetzt nicht nennen möchte, weil das an dieser Stelle vielleicht Unglück bringt, möge sich wieder in die 2.Liga verabschieden.
Das war angenehmer und wurde in meiner Beziehung nicht so oft thematisiert.
Nun spielt sich eben jener Verein immer mehr in den Vordergrund, ständig sprechen Menschen V. darauf an und ich habe auch noch diesen Blog angefangen.

V. wird ab und zu hysterisch und weigert sich, das abzustellen. Beim letzten Pokalspiel, beispielsweise. Hat der Club ja bravourös gewonnen. Wurde leider in keiner Kneipe übertragen. Weshalb V. leicht angefressen nach Hause kam. Und dann wage ich es, mich darüber zu freuen, jetzt eine gewisse Krankenhausserie im Privatfernsehen zu schauen.
Entrüstung! Jetzt kommt doch Blickpunkt Sport!

Da wäre ich wirklich gerne abgestiegen, bis in die D-Jugend meinetwegen.