Archiv für den Monat: Januar 2007

19. Spieltag: Schon wieder englische Wochen

Mir geht das zu schnell, mir ist das zuviel. Schon wieder Fußball, war doch erst. Und dazwischen noch Handball. Und vielleicht noch Wintersport.

Immerhin zeichnet sich ab, dass sich der Abstieg des FC Bayern proportional zum Abstieg des Edmund Stoiber verhält.

Rutschen die Bayern noch tiefer als Platz 4, sollte Stoiber noch vor dem 30. September aufhören?

Steigt mit der Wahrscheinlichkeit, dass Günther Beckstein bayerischer Ministerpräsident wird auch die Wahrscheinlichkeit für den Club, noch in dieser Saison deutscher Meister zu werden?

Oder müssen wir alle den Parteitag Ende September abwarten?

Tritt dann Hoeneß gegen Huber und Seehofer an? Was geschieht dann mit Markus Söder?

Fragen, die beschäftigen.
Für die aber keine Zeit ist, denn übermorgen ist schon der nächste Spieltag.

Also mich stresst das.

Der Albtraum

Es war zu viel für ihn. Ich hätte es kommen sehen müssen.
Heute morgen begegne ich V. in der Küche. Das Licht im Flur blendet, er kneift die Augen zusammen, sein Gesicht ist zerknautscht.

„Stell dir vor“, sagt er, „ich hab ganz schlecht geträumt. Ich hab geträumt, wir hätten am Ende doch 8:4 verloren, stell dir das vor. Und ich müsste heute auf die Arbeit… Diese Häme…“

Dazu muss man sagen, dass sich an V.s Arbeitplatz so gut wie keiner für Fußball interessiert, was ihn in anderen Situationen schon oft erzürnt hat. Nur einer nimmt die Sache genauso ernst wie V. Dieser Arbeitskollege ist Stuttgart-Fan. Eben diesem hat er nach dem 1. Spieltag feixend die Tabelle an die Tür gehängt. Seit Samstag freut er sich auf die Wiederholung dieser Szene, ganz genüsslich und in Zeitlupe. Wieder drei Tore Unterschied, haha.

Die Angst, die Ereignisse vom Samstag seien nichts weiter als ein Tagtraum gewesen, verfolgte ihn bis in den Schlaf.

„Die fränkische Versagensangst“, hat er es heute genannt.
Der übliche fränkische Minderwertigkeitskomplex, nichts weiter, würde Uli Hoeneß sagen.

18. Spieltag: Hoch die Tassen

Gestern war ein Bericht über Markus Söder in der Zeitung.

Herr Söder wird derzeit von allen Seiten kritisiert, er hätte nicht so richtig zu seinem Chef gehalten. Das hat ihn verstört. Dass man ihm Karrieregeilheit vorwirft, das ist er gewöhnt. Aber dass er seelenruhig zugegucken würde, wie sein Chef zurückgetreten wird, das trifft ihn hart. Und dann kommt es auch noch von Uli Hoeneß, der ja ein großer Kritisierer vor dem Herrn ist. Wahrscheinlich hat sich Markus Söder da ein bisschen gefühlt wie Christoph Daum und das hat ihn dann sehr geärgert, was er ja auch gesagt hat.
Und dann kommt es auch noch von Uli Hoeneß, der ja bei den Bayern ist. Typisch, wird sich der Club-Fan Söder da gedacht haben.

In dem Zeitungsbericht stand, Söder sitze in seinem Büro, ärgere sich über Hoeneß und halte eine 1.FC-Nürnberg-Tasse in den Händen.Womit wir wieder beim Thema wären: Menschen, die man nicht mag, mit denen man aber geliebte Dinge teilen muss. Ich muss Robbie Williams mit kreischenden 16-Jährigen teilen, die der englischen Phonetik nicht mächtig sind. Ich muss Stoppok mit besoffenen Prolls teilen, die mir auf dem Konzert fast auf die Füße kotzen. V. muss den Club mit einem CSU-Generalsekretär teilen, der beim Interview eine rot-weiße Club-Tasse in den Händen hält.

Eigentlich müsste da Hans Meyer kommen und sagen: Herr Söder, so geht das nicht. Ich bitte Sie, zeigen Sie die Tasse in der Öffentlichkeit nicht so her. Trinken Sie daheim daraus, wenn die Kinder aus der Schule kommen, aber tun Sie’s heimlich. Schaden Sie uns nicht so mit ihrem Image, jetzt, wo auch noch der Hoeneß so auf Ihnen rumtrampelt, der ja beim Daum damals auch Recht behalten hat.

Eigentlich müssten beim Robbie-Williams-Konzert auch Ordner durch die Menge laufen und die 16-Jährigen erst wieder rein lassen, wenn Sie im Englisch-Abi mindestens 13 Punkte geschafft haben.

Eigentlich müsste Stoppok die Prolls einfach rauswerfen lassen.

Das mit der Tasse, das wirkt anbiedernd bei Markus Söder. So wie er sich an den Stoiber ranschmeißt, so schmeißt er sich auch an die Club-Fans ran.

V. übrigens besitzt keine Club-Tasse, sondern eine eher intellektuelle aus England auf der steht: „Some people say, football is a matter of life and death. I can assure you, it is much more serious than that.“

Genau. Mit einer Tasse ist es da nicht getan.

Nachher geht’s gegen Stuttgart.

Neue Zeichen

V. auf die Frage, wie es ihm geht: „Gut. Wir haben 4:1 gegen einen tschechischen Achtplatzierten gewonnen… Balladings… Ein tschechischer Club halt. Na, jedenfalls haben wir gewonnen.“ Dann widmet er sich wieder dem Aufbau unseres neuen, völlig überdimensionierten Kleiderschranks, in dem locker ein paar Auswechselspieler wohnen könnten.

Die vergangenen Wochen waren nicht einfach für V., noch immer ist Bundesligapause und nicht sehr viele Menschen möchten mit ihm über Fußball reden. Er tröstet sich mit Biatholon. Die Erlösung wartet am Ende dieser Woche, im Fernsehen läuft schon wieder Werbung für die Sportschau.

Trotzdem stehen die Zeichen gut:

1. Raphael Schäfer ist so gut wie verkauft. V. findet das gut, damit können dann noch ein paar Slowaken gekauft werden. Meinen Einwand, das ganze klinge immer ein bisschen nach Sklavenmarkt am Forum Romanum, wird er nicht gelten lassen.

2. Bald wird ein fränkischer protestantischer Club-Fan bayerischer Ministerpräsident sein.

Der Club kann nur Meister werden.