Archiv für den Monat: August 2006

3. Spieltag: Der Wahnsinn


Samstag: Bis 15.30 Uhr tut V. konkret drei Dinge.

1. Er beschwert sich über die Fußball-Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung. Nicht-Eingeweihte sollten wissen: Das tut er immer. In V.s Augen versucht die SZ wo es nur geht, den Club zu ignorieren. Auch am Derby-Tag.

2. Nichtsdestotrotz ist in der SZ sowohl die Aufstellung des Clubs also auch die der Bayern abgebildet. Mit dieser Aufstellung spielt V. die Begegnung am Computer nach. Sogar mir fällt auf: Wo die Bayern akkurate Linien bilden, sieht die Nürnberg-Formation eher nach Gewusel aus. Alles Taktik?

3. V. hängt sein Nürnberg-Trikot (ich glaube, es ist aus der Saison 98/99) in unser Küchenfenster. Da wir von dort direkt hinüber zur Allianz Arena schauen, hat das schon Signalwirkung.

Ab 15.30 Uhr hängt V. vor dem Radio und erlebt das wohl spannendste 0:0 seines Lebens. Nürnberg spielt nicht überragend, aber die Bayern auch nicht. Bei den Bayern kommt auch noch Pech dazu, weil Makaay nicht trifft und Lucios Tor ein Abseits war. Letzteres hatten die Sterne schon vorausgesagt.
Den Rest des Wochenendes verbringt V. grinsend und feixend („Der Wahnsinn!“),
1. Weil die Bayern in der Allianz Arena noch nie kein Tor gemacht haben
2. Es auch am Sonntag keine Mannschaft schafft, dem Club die Tabellenführung wegzuschnappen.

Als der Club zum letzten Mal so gut gespielt hat und anschließend auch Deutscher Meister wurde – wir erinnern uns, 1967/68 – da, so muss V. am Sonntag festellen, „war ich noch nicht einmal auf der Welt.“
Auch da habe ich verstanden, dass es jetzt wirklich wieder mal Zeit wird, für den Club.

Ein Zeichen

Am kommenden Wochenende tritt der Club gegen den FC Bayern München an. Gut gegen Böse. Aber – um jetzt eine leicht verschwurbelte Theorie aufzustellen – die Chancen stehen gut für den Club. Denn: Lucio stand im Saturn.
Das hat jetzt nichts mit Astrologie zu tun, sondern mit der Tatsache, dass V. und ich ein schnurloses Telefon kauften und Lucio, brasilianischer Nationalspieler und Bayern-Inventar, einen Computerbildschirm.
Außer mir hat ihn natürlich niemand erkannt. Mein Fußballwissen tendiert gegen null, aber ich erkenne einen Promi, wenn ich ihn sehe. Da stand er also, der Lucio – auf welcher Position spielt der überhaupt? – mit einem Übersetzer und einem Saturn-Mitarbeiter und ließ sich in einem stickigen, überfüllten Elektronikfachmarkt zu Computerbildschirmen beraten.
Bayern, so schlussfolgerten V. und ich, wird am Wochenende desaströs spielen und es wird damit zu tun haben, dass Lucio die ganze Woche an seinem Computer rumgefriemelt hat, statt vernünftig zu trainieren.
Also alles geritzt für den dritten Spieltag, auch astrologisch.

2. Spieltag: Tabellenführer


Nürnberg gegen Gladbach, wir waren nicht im Stadion. Aber das lag an P. und diese Geschichte tut hier nichts zur Sache.
Dafür kommt V. aus dem Freudestaumel gar nicht mehr heraus.

Freitagabend: V. klebt am Radio, das Spiel wird auf B5 übertragen. Der Club führt 1:0. V.s ins Gesicht getackertes Grinsen wird noch etwas breiter. Seit einer Woche kann er gar nicht anders als grinsen, bald kriegt er einen Muskelkater im Gesicht.
Mintal wird eingewechselt, bringt den Falltür-Trick aber nicht.

Samstagabend: Sehe V. erst am Abend, seine Mannschaft hat beim Volleyball-Turnier verloren, nichtsdestotrotz begrüßt er mich mit „Erster“!

Neue Lieblingswörter: Tabellenführer. Erster.
Lieblingsbeschäftigung: Häme für Dortmund-Fans (z.B. T., der trägt es aber mit Fassung, Dortmund spielt schon zu lange schlecht).

Sonntagabend: Bayern gegen Bochum. Bayern kann uns das Lieblingswort wegnehmen, aber dafür müssen sie mit zwei Toren Unterschied gewinnen. Schaffen sie nicht. Beim Schlusspfiff ballt V. die Hand zur Faust.

Gutes Omen: Tabellenführer war Nürnberg auch „im Meisterjahr“ 1968.
Wenn das so weiter geht:
Pro: Ist V. ein ganzes Jahr lang gut gelaunt.
Contra: Gibt das wenig her für diesen Blog.

Und jetzt das

Gestern schrieb V.:
„Vittek ist min. 6 Wochen verletzt !!!!! Katastrophe !!!!!!! V“

Ich weiß nicht viel über Robert Vittek, aber ich weiß: Er ist wichtig. Und: Robert Vittek wollte weg vom Club, woandershin wechseln. Wahrscheinlich hat er Schiss gehabt, die Glückssträhne des Vereins würde nicht anhalten, sie würden wieder in der 2. Liga landen. Oder er hat noch mehr Schiss gehabt, das Glück dieses Vereins würde jetzt von ihm abhängen, weil er so viele Tore schießt. Vielleicht hat er Schiss gehabt, diese Verantwortung nicht zu packen.
Sie haben ihn nicht gehen lassen. Sie haben Robert Vittek einfach nicht verkauft, er musste bleiben. Mit seiner Schiss.
Jetzt hat er sich verletzt, am Knie. Und das nicht einmal in einem Nürnberg-Spiel. Sondern im Länderspiel Slowakei gegen Malta. Eingewechselt in der 46. Minute und kurze Zeit später schon wieder runter vom Platz. Immerhin hat die Slowakei 3:0 gewonnen.
Jetzt ist Robert Vittek allein mit seinem Knie und der Angst vor der Zweitklassigkeit und der Verantwortung als Torjäger und Hoffnungsträger. Robert Vittek ist 24, eigentlich kann man da schon mal Schiss haben. Vielleicht hilft ihm jetzt auch Marek Mintal, das ist der andere slowakische Hoffnungsträger beim FCN. Mintal nennen sie „das Phantom“, weil man ihn ganz lange nicht sieht und plötzlich scheint er aus dem Nichts aufzutauchen, als gebe es eine Falltür mitten im Rasen, da klettert er mal kurz raus, rennt los und schießt ein Tor.
Das hat in der Saison 2004/05 ganz gut geklappt und dann hat sich Mintal verletzt und fiel ganz lange aus. Sogar für die WM.
Aber wir hatten ja Robert Vittek. Wen wir jetzt haben, weiß ich nicht.
V. wird Rat wissen.

1. Spieltag: Tabellenerster



Wer Fan eines bestimmten Vereins ist (oder auch der Nationalmannschaft) gewöhnt sich schnell an ein besonderes Synonym für diesen Verein: Wir.
Obwohl „wir“ (V. und ich) am vergangenen Samstag nicht mehr geleistet haben als: Frühstücken, im Einkaufszentrum streiten und Gemüse fürs Abendessen einkaufen, so haben doch „wir“ (der Club) am Nachmittag 3:0 gegen Stuttgart gewonnen und die Spitze der Tabelle übernommen.
V. im Delirium. Tore fallen, Günther Koch schreit, V. schreit. V. fällt fast vom Sofa.
Der neue Pay-TV-Sender Arena stürzt V. fast in ein Dilemma: „Live aus dem Stadion“ auf Bayern 1 hören (so wie früher) oder ausnahmsweise die Live-Konferenz-Schaltung im Fernsehen schauen, die Arena ausnahmsweise auf Sat1 überträgt? Günther Koch rettet V. Günther Koch ist V.s größtes Idol nach Günter Netzer und Günther Koch ist netterweise zu Arena gewechselt. Was uns nächste Woche in ein neues Dilemma stürzen wird, denn dann wird Arena nur noch verschlüsselt übertragen.
Momentan rettet mich nur die Tatsache vor einem Arena-Abo, dass wir Kabel haben und man für Arena und Kabel-TV einen Premiere-Decoder braucht. Den zu kaufen ist V. noch nicht bereit. Ich befürchte, das wird sich noch ändern.
Gegen halb sechs griff V. erschöpft zur Digital-Kamera und hat die Tabelle im Videotext fotografiert.
Nächste Woche soll ich mit ins Stadion. Gegen Gladbach. Sind die gut?